|
Um der bevorzugten Jugendpolitik der lokalen CDU auf die Schliche zu kommen, bedarf es keiner kriminologischen Spitzfindigkeit. Dazu muss man nur die Augen offen halten und darüber reflektieren, was man sieht. Wenn man dazu das Wissen addiert, dass im Kopf der Bruchköbeler CDU der evangelikal unterwanderte „EAK“ gleichermaßen als Ideenlieferant wie auch ideologische Drüse wirkt, kommt man von dem Gefühl nicht mehr los, im Bibelgürtel der USA zu wohnen. Ein ehemaliger Ausbilder der Bereitschaftspolizei im politischen Vollzug der Stadt rundet das Bild, das hier entsteht, nicht gerade im Sinn einer freiheitlichen Pädagogik ab.
Als die „Startbahn West“ noch in aller Munde war, hätte einer vielleicht gesagt: „Die Reaktion hält unsere freie Jugend im Würgegriff!“ Oder ein Anderer: „Poliert ihnen die Fresse und fahrt sie im Waggon nach drüben!“ Doch ich suche hier nur nach Indizien. Es ist beklemmend einfach, die in Bruchköbel zu finden. Vor dem Haus des Stadtverordnetenvorstehers weht eine Deutschlandflagge in voller Dienstgröße. Das Phänomen der offiziellen Beflaggung war meiner Kenntnis nach bisher auf öffentliche Stellen, sowie Stammtische und Kleingärten beschränkt. Ein Treppenwitz aus Bruchköbel: in Kürze soll eine Salutabteilung aus der Niddakaserne in der Bruchköbeler Sudeten-Siedlung Quartier beziehen. Um die räumliche Nähe zur Flagge herzustellen. Damit allzeit verlässlich die Begrenzung der Nacht mittels einer Fahnenhiss-, bzw. Fahneneinholzeremonie vollzogen werden kann.. Solcherart Indizien lassen sich auf dem Weg zur real existierenden „Tube“ (eine Halbröhre zum Skaten) unschwer finden. Ja, spinnen wir das Thema an diesem aktuellen Thema der Jugendpolitik weiter. Die Menschen der Stadt denken gerade kollektiv darüber nach. Über den Skateboarder. Was ist das für ein Mensch? Zunächst einmal ein Mensch, wie alle anderen auch. Mit dem Unterschied, dass er auf Individualität grossen Wert legt. Der Skater liebt die Freiheit. Ich habe drei nette Jungs am Ort des unter Juristen derzeit vieldiskutierten, bekannten „Bruchköbeler Deliktes“ (Ruhestörung außerhalb der Ruhezeiten) fotografiert. Das „Bruchköbeler Delikt“ ist deshalb so publik, weil in dem Fall ein Stadtrat, als Mitglied der Exekutive, per Verordnung über das gültige Grundrecht der freien Entfaltung des Individuums das Recht des Menschen zur Ruhe gestellt hat. Das Gut, welches er durch diesen Akt von Selbstjustiz schützen wollte, ist aber bereits durch gesetzlich definierte Ruhezeiten hinreichend unter Schutz gestellt. Die Juristen diskutieren derzeit noch heiß darüber, ob sie es hierbei mit dem Paradoxon der Justitia zu tun haben oder mit Bauernschläue. Die noch ausstehende Entscheidung des Bundesgerichtshofes zu diesem Thema wird nicht vor Klageeinreichung beim Verwaltungsgerichtshof zu erwarten sein.
Geht man nun aber weiter zur „Tube“ von Bruchköbel, am anderen Ende der Stadt sieht man deutlich, was diese Stadtverwaltung mit unserer freien Jugend wirklich vor hat. Der Ort, wo die Jugend Spaß haben will, wirkt auf den ersten Blick wie die Außenstelle einer Justizvollzugsanstalt. Der enge Raum, der unseren Kindern dort zur Verfügung gestellt wird, erinnert stark an das Thema „Hofgang“. Die Art, wie auch die Materialien der Bewehrung findet man nicht zufällig auch in Vollzugsanstalten und anderen Orten, wo entweder etwas nicht hinein-, oder was anderes nicht hinauskommen darf. Einzig den Natodraht müssen wir missen.
Besonders beeindruckend ist die Anweisungsflut, mit der sich ein potentieller Nutzer der Skateanlage konfrontiert sieht. Neben der imposanten Größe des städtischen Schilderturmes fällt sofort der Inhalt der Tafeln ins Auge. Hier wird eine deutliche Sprache gesprochen.
Nur einzelne Personen in Schutzbekleidung dürfen die Anlage nutzen. Skateboard-Fahren ist nur gestattet, werktags von 8-13 Uhr (die klassische Schulschwänzerzeit) und von 15 (Ende der Mittagsruhe) bis 19 Uhr (Fahnen-Einholzeit). Die Schließzeit der Anlage ist vom 1. November bis zum 31. März.
Ja, die Jugend wird sogar mit einer „Schließzeit“ konfrontiert, einem gängigen Wort aus dem Justizvollzug. Die Schutzbekleidung bedarf keines Kommentars in einem kleinen Städtchen neben dem Plutoniumbunker Hanau-Wolfgang. Die Nutzungszeiten allerdings sind eine Frechheit. Wem solcherart Jargon, sowie Handlungsebene noch nicht als Indiz einer so eindeutigen, wie verwerflichen Geisteshaltung genügt, sollte einfach noch genauer hinschauen, was unsere Stadtverwaltung von einer freien Jugend hält. Eine der Tafeln am Skateplatz spricht Bände. Die Jugend, der schon lange der Appetit auf Bruchköbel vergangen ist, liest weiter.  Benutzung der Anlage nur in geeigneter Schutzausrüstung. Sicherheitsbereiche sind keine Aufenthaltsflächen und von Gegenständen freizuhalten Befahren mit Fahrrädern nicht gestattet (Ausnahme: BMX-Fahrräder nach DIN 79105)
Nicht die Arbeiter des Faulturmes im Hintergrund sind mit der Schutzbekleidung gemeint. Nein, hier spricht einer mit unseren Kindern! Im Sicherheitsbereich darf üblicherweise nach wiederholtem Anrufen des Flüchtenden geschossen werden. Und ein BMX-Pilot lässt hier jede Hoffnung fahren, weil er zwar sein Rad, aber nicht die DIN des Fahrzeuges kennt.. Neben solch martialischen Imponiergehabe des Bruchköbeler Magistrates erscheinen die verschärften Öffnungszeiten des einzigen städtischen Jugendzentrums fast schon als harmloser Versuch zur Gängelung unserer Kinder. Doch wie immer: es trifft die ganze Familie!
Jugendliche ab 14 Jahre Montag 18-21 Uhr, Mittwoch 15-21 Uhr, Donnerstag 15-21 Uhr und Sonntag 16 bis 20 Uhr Kinder 6 bis 13 Jahre Dienstag 14.30 bis 16.30 Uhr Kinder 9-13 Jahre Mittwoch 15 bis 18 Uhr, Donnerstag 15 bis 18 Uhr und Sonntag 16 bis 18 Uhr
Begegnung zwischen Geschwisterkindern scheint in Bruchköbel zeitweise als gefährlich eingeschätzt zu werden. Jugendliche haben Dienstag und Freitag keinen zutritt. Der Freitag findet in der Jugendarbeit nicht statt. Und welches Gesetz verbietet unseren Kindern Sonntags nach 20 Uhr öffentlichen Raum einzunehmen? Die gestelzten Zeiten, die sich kein Mensch merken will, wirken wie ein Behinderungsversuch. Weitere Spekulationen zu diesen Öffnungszeiten sind geboten. Dieser Skandal menschenverachtender Jugendpolitik muss endlich ein Ende haben. Wir Eltern fordern deshalb: Nehmt unsere Kinder als Menschen wahr, und behandelt sie auch so. Wir zahlen keine Steuern, damit so mit unseren Kindern umgangen wird. Wir zahlen lieber für eine aufgeschlossene, offensive und ideenreiche Jugendarbeit in unserer Stadt. Wo ist die Verwaltung, die auf Kinder und Jugendliche, dem größten Schatz unserer Rentnerrepublik, zugeht. Einer Jugend, die sich hier auch außerhalb von kirchlichen, sportlichen und sonstigen Vereinigungen zu Hause fühlen will. Wir rufen die freie Jugend von Bruchköbel auf, sich nicht länger zu verstecken. Zeigt diesem Rathaus, was ihr wollt. "Habt keine Angst!" Nehmt die Lieblingsworte des verstorbenen Papstes und erobert euch Eure Stadt. Die eilig hingeschmierte Verbotstafel mit Kreppband und Pappe auf eurem Platz zur Begegnung im „Peller“ ist willkürlich diskriminierend und daher gegen das Grundgesetz. |