spacer
spacer spacer
unabhängig und modern
gemein unabhängig - bösartig modern - 7. Jahrgang - September 2010
spacer spacer
spacer
spacer spacer spacer spacer
spacer
spacer spacer
Hauptmenu
Im Moment sind
329 Gäste online

Das seltsame Verhalten amerikanischer Großstädter zur Paarungszeit PDF Drucken E-Mail
Verfasst von Bill Bonner, Investor Verlag Bonn   
05.04.2005

Es dreht sich alles nur um Lügen und Sex. Alles, die Schuldenblase, die Immobilienblase, die Handelsbilanzdefizitblase. Warum gibt es ein Handelsbilanzdefizit von 600 Milliarden Dollar? Weil die Amerikaner Dinge kaufen wollen, die sie sich nicht leisten können. Warum wollen sie Dinge kaufen, die sie sich nicht leisten können? Um vorzutäuschen, dass sie reicher sind, als sie sind. Warum wollen sie reicher wirken als sie sind? Weil es ihnen einen höheren sozialen Status verleiht. Warum wollen sie einen höheren sozialen Status? Weil sie dadurch besseren Zugang zum anderen Geschlecht haben.

Ich bin, nach einigen Monaten im Ausland, wieder zurück in den Vereinigten Staaten. Und plötzlich sind die Straßen voll von Protzkarossen. Warum sollte irgend jemand in einem dicken, seltsamen, hässlichen und teuren Auto durch die Gegend fahren wollen, wenn es ein kleines Auto doch auch täte? Es geht um die "Maximierung der inbegriffenen Tauglichkeit", sagen die Forscher. Die Menschen wollen so viele von ihren Genen wie möglich im Pool schwimmen sehen. Die Protzkarosse dient dazu wie die langen, bunten Schwanzfedern eines Vogels oder ein großes Geweih an einem Hirsch. Der Gebrauchswert dieser Dinge ist ziemlich gering. Sie sind aber nicht nur wertlos, schlimmer noch, im Zweifelsfall erhöhen sie das Risiko, von einem Nebenbuhler angegriffen zu werden. Es verbraucht Energie, sie mit sich herumzuschleppen, sie verlangsamen das Tier und machen es im Kampf schwer, zu manövrieren oder die Flucht zu ergreifen.

Sobald man sich darüber Gedanken macht, erkennt man, dass die großen Autos nur als außergewöhnliche Verschwendung Sinn machen. Sie weisen das andere Geschlecht darauf hin, dass das Tierchen leichtes Spiel für ein Techtelmechtel ist. Wenn er den gesamten zusätzlichen Ballast mit sich herumschleppen kann und immer noch überlebt, dann muss er ganz schön stark sein. Auf gleiche Weise wirkt jemand, der in einer Sparvilla wohnt und eine Protzkarosse fährt – und trotzdem nicht Bankrott geht – wie eine gute Partie.

Aber alles ist relativ. Wenn jeder im Viertel eine Protzkarosse vor dem Haus stehen hat und einen Swimmingpool einbaut, dann verliert der Mann, der solche Dinge schon immer hatte, seinen Biss. Er muss noch mehr ausgeben – sich selber noch näher an eine Pleite bringen – um sich zur Geltung zu bringen. Was bleibt ihm noch zu tun? Er könnte Haikus (Anm.d.Red.: japan., kleines Gedicht mit viel Inhalt) schreiben und einen feministischen Sticker auf die Kofferraumklappe seiner alten, dicken Karre kleben.

"Bleib mir weg mit Einfühlungsvermögen", sagte gestern eine Frau beim Abendessen, "ein Mann muss zeigen, dass er was auf dem Kasten hat, ... dass er stark ist, ... dass er weiß, wo es lang geht."

"Stimmt", sagte ein geschiedener Freund, der sich in der Vergangenheit viel mit Flirtstrategien befasst hat, "du musst den Typ darstellen, der einen Plan hat. Du zeigst der Frau, dass du weißt, wo es lang geht ... dass deine Zeit wertvoll ist ... und dass, wenn sie vorhat, sich mit dir einzulassen, das durchaus möglich ist, allerdings nur zu deinen Bedingungen. Was du aber nicht willst, ist eine Verabredung mit ihr, bei der du eine Menge Geld für sie ausgibt. Du musst ihr zeigen, dass du eine Menge Geld hast, aber gleichzeitig vermeiden, dass der Eindruck entsteht, dass es jemals ihre Sache sein könnte, wie das Geld ausgegeben wird. Damit würde die Beziehung unter den falschen Bedingungen ihren Lauf nehmen."

Nun sind Frauen aber auch nicht dumm. Sie wissen, dass man in eine Sparvilla ziehen kann, ohne auch nur einen Cent hingelegt zu haben. Sie wissen, dass man auch das protzigste Auto leasen kann und dass man Armanianzüge auch auf Kreditkarte kaufen kann. Sie versuchen herauszufinden, ob ein Typ wirklich Geld hat, oder nicht. Das ist der Anfang des Kampfs zwischen den Geschlechtern. Der Mann versucht die Frau hinsichtlich seiner Tauglichkeit für die Fortpflanzung zu täuschen. Die Frau versucht die Täuschung aufzudecken, während sie ihn ihrerseits täuscht – mit Make-up und einigen künstlichen Hilfsmittelchen. Der arme Mann muss immer mehr Beweise auffahren, dass er wirklich der mit dem schönsten Geweih und den buntesten Schwanzfedern ist. Er muss immer mehr finanzielle Belastungen auf sich nehmen. Zweite und dritte Häuser ... Ferien in Europa ... das Heimkino ... Schönheitsoperationen. Der Schwachkopf muss immer mehr ausgeben ... wenn er seine Nächte nicht allein verbringen will.

Man mag meinen, dass eine 'schlaue' Frau das alles durchschaut und einen Mann vorzieht, der überhaupt keinen Drang verspürt, den dicken Max zu markieren – einen guten, grundsoliden Lehrer vielleicht, der sich um die Umwelt kümmert und einen alten Punto fährt. Aber wenn sie sich auf einen solchen Typen einlässt, dann bestimmt sie auch das Schicksal ihrer Nachfahren, sagen die Forscher, denn es ist wahrscheinlich, dass dieser Mann einmal Söhne hat, die genauso sind wie er – Männer, die nur für 'schlaue' Frauen attraktiv sind. Aber wie viele gibt es davon schon? Ihre eigenen Gene werden so weniger Gelegenheit finden, ein Fortpflanzungserfolg zu werden, und was ist daran bitte 'schlau'?

Um ihre Gene so weit wie möglich zu verbreiten, braucht eine Frau Nachfahren, insbesondere aber Männer von 'hohem Rang' – d.h. solche, die protzige Ausgaben mit sich herumschleppen können, ohne Pleite zu gehen. Ihre beste Strategie ist, sich mit einem Mann von 'hohem Range' zu paaren. Ihr bestes Schicksal wird sein, mit diesem Mann so viele Söhne wie möglich zu haben – hochrangige Jungs, die selber viele Partnerinnen finden. Und um das zu erreichen, muss sie auf ihn so attraktiv wie möglich wirken. Auch das beginnt mit Täuschungen und endet oft in Enttäuschungen. Sie muss so viel Zeit und Geld ausgeben, als wäre sie eine Kandidatin für ein öffentliches Amt. Sie muss die Leute darüber täuschen, wo sie steht. Die Forscher nennen das "Eindrucksmanagement". Sie muss hochrangig wirken, indem sie eher teure als billige Klamotten trägt ... indem sie eher ein teures als ein billiges Auto fährt ... indem sie in einer teuren Gegend wohnt ... in teuren Restaurants isst ... teure Reisen macht ... und mit teurem Schmuck protzt. Sie muss auch körperlich so attraktiv wie möglich wirken. Vergessen Sie nicht, es dreht sich alles nur um Sex.

In der Zwischenzeit, angetrieben von diesen vorzeitlichen Trieben zur sexuellen Fortpflanzung ... unterstützt von der Zentralbank ... sind die Amerikaner beim Fluch des Konkurses angekommen.

Investor Verlag, Bonn.Wir danken dem Investor Verlag Bonn für die freundliche Überlassung des Artikels. Investor's Daily, den kostenlosen täglichen E-Maildienst für Investoren können Sie hier anfordern: www.investor-verlag.de

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
spacer