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Wer es alles nicht lassen konnte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
13.03.2005

Wer es nicht lassen konnte und in den frisch erschienenen „Stadt Kurier“, dem „Mitteilungsblatt für den Altkreis Hanau“ geschaut hat, war sicher dankbar für drei ausgesprochene Possen. Gegeben von Michael Roth, Joachim Rechholz und Karlheinz Dziony. Sie haben sich mal wieder je ein Plätzchen in der lokalen Verkündungspresse erobert. Die Fotos vom Bürgermeister sind ja schon eine rechte Gewohnheit geworden der ja nun wirklich keine Spur mehr an volkstümlicher Nachrede hinzuzufügen ist. Aber heute waren sie alle drei für sich grandios. Weil heute jeder in genau der Pose gezeigt wurde, die der „Bruchköbler“ so gerne humorvoll aufspießt. Heute gaben sie uns wieder ein richtiges Kaspertheater.

Kastenkasperl mit Narrenschellen...Beginnen wir bei Herrn Roth. Er hat ja bekanntlich das phototechnische „Trittbrettfahren“ erfunden. Mittlerweile verfügt er dabei über eine gelassene Routine. So findet man ihn im Verlauf des Jahres sogar oft auf Pressefotos zu Geschichten, die eigentlich nichts mit ihm zu tun haben. Wir vermuten, dass er nicht bei seinem Weibe zu schlafen kommt, sondern vielmehr wechselweise bei willfährigen Fotografen dreier periodischer Verkündungsschriften ein Gästebett bezogen hat um auch ja keinen Fototermin zu versäumen. Nur so kann es ihm im letzten Jahr zum Beispiel gelungen sein, als Weib mit starkem Damenbart zu debütieren, als wir ihn auf einem Foto mit fünf adretten Damen einer Frauenorganisation ertappten. Oder wer kann jemals das Bild des Narren vergessen, als er geziert mit einer Schellenkappe wie ein Kastenkasperle hinter einer Horde Kindergartenkinder hervorsprang. Dieses lustige Foto konnten wir noch einmal in den neuesten „Bruchköbler Nachrichten“ bejubeln, dem Blatt aus der rathäuslichen Propagandastube der Andrea Weber. In der aktuellen Ausgabe, in der er sage und schreibe elf Mal abgebildet war. Das Blatt hat nur zehn Seiten, wohlbemerkt! Die letzten vier Seiten waren einigermaßen „rothfrei“ muss man aber fairerweise anmerken.

Liebhaber von Achselschweiß und großen Männern...Heute fand man ihn jedoch zum ersten Mal in der sprichwörtlichen Rolle des Zwerges, die ihm eine bekannte Bruchköbeler Satireschrift jüngst lustig angedichtet hatte, um die Position neben seinem ersten und letzten Stadtrat liebevoll zu karikieren. Seine neueste Rolle geht so: Die Feuerwehr hat zwei gewaltig große Jungs in den Einsatzdienst übernommen. Bei dieser Veranstaltung weilte er als Gast. Zu seinem publizistischen Unglück schlich er sich genau neben einem richtigen Hünen von Feuerwehrmann auf das Foto. Neben einem Riesen, dem er gerade mal stehend die Nase unter die Achsel schieben konnte. Wenn wir einen Rat geben dürfen: Bei diesem Fotografen würden wir nicht mehr schlafen.

Wer ist der Kerl im Trenchcoat?Womit wir auch schon bei dem Gerechten Joachim Rechholz wären, der zu einem Frühlingslocken anstimmte. Seine Loge evangelikaler Saubermänner war wohlfeil angeordnet. Abgesehen von der halb geöffneten Türe, durch die er sicher gerade geschlüpft kam, war an der Komposition der Gruppe nichts zu mäkeln. Einzig der Nadelstreifenanzug von Rechholz, den kürzlich auch unser Bürgermeister trug, trübte das Ensemble. Irgendwie verbreiten Nadelstreifenanzüge seit den Tagen Al Capones einen Hauch von Chicago. Darüber kann auch das brave Handfalten des Trägers nicht hinwegtäuschen. Verstärkt wurde der Eindruck durch den Kerl im Trenchcoat, der am Kleiderständer neben Herrn Philipp Mißfelder hing und etwas in dessen nach hinten weisende Hand zu schieben schien. Na, da ist uns bestimmt nur die Phantasie durchgegangen, zeugt doch die Story von guten Menschen, die schon wieder einmal die positive Entwicklung ihrer evangelikal gesteuerten Bruderschaft bejubeln. Es kann doch alles, was mit evangelisch anfängt auch nur im Guten enden, wie die mit Sendern bewehrten Kirchtürme der eher monetär ausgerichteten Vaterkirchen belegen. Wenn das Vaterland jemand aus diesem Jammertal führen kann, dann sind es die Abgesandten dieser nationalen Beschwörung mit kirchlichem Segen. In der aktuellen Veranstaltung wurden Gläubige darin unterwiesen, wie man Patriot sein kann, ohne in den Verdacht zu kommen ein Nazi zu sein. Da wir alle keine gelernten Patrioten sind, hören wir dankbar das Rechholz´sche Bekenntnis zum Vaterland: „Es ist eine Gnade in diesem Land zu leben.“ Aus gegebenem Anlaß wollen wir hier auf die unrühmliche Rolle der Kirchen während des Nazionalsozialismus hinweisen. Wir können gespannt sein, welch geistige Essenz uns in der nächsten Presseverjubelung der evangelikalen Salontruppen nach Ihrer Veranstaltung am 20. April (Führergeburtstag) kredenzt wird. Der mit dem Thema „Aktuelle ethische Streitpunkte (Aktive Sterbehilfe)“ korrespondierende Veranstaltungstermin ist sicher nur der Schnitzer einer subrationalen Dumpfcharge, nicht wahr Herr Rechholz?

Rocker-Charly geht jetzt wieder seine Kreidler aufbohren...Da fällt doch der Bogen zum ersten und letzten Stadtrat Karlheiz Dziony nicht schwer. Also, wir nennen ihn jetzt nur noch „Elvis“! Nein, das lassen wir uns nicht nehmen! Das Foto des lokalpolitischen Solitärs führt uns zu keinem anderen Schluss. Wenn der Mann nicht früher auf einer Kreidler Florett gesessen hat um am Treffpunkt jede Mieze zu beknattern, dann hat es niemals Mopedrocker und Gammlerhasser Anfang der Sechziger gegeben. Was jeder auf dem Portrait sieht, leugnet er: Der Krach von seinem aufgebohrten Moped ist uns tierisch auf die Eier gegangen. Jetzt spielt er den Kinderversteher, handelt aber gegenteilig. Als Bauunternehmerversteher. Hat er doch viele Stadtteile für junge Familien bauen lassen. Seitdem hält sich Bruchköbel junge Familien in einer Art Hasenkästen. Und eiert in einem Baurechtsskandal: Tiefbau im Peller! Und hat Probleme mit einer Mülldeponie, die jeder kannte. Ahnungslose haben sich dort Häuschen gekauft. HaHa! Familienfreund. Doch die Jugend, die sich zusammenfindet, um bei sich zu Hause auf Skateboards eine scheinbare Ruhe im Legoland (der Peller im Volksmund) zu stören, hat er mittels eines rüden Verbotsschildes mit Illegalität bedroht. Klar, das Bedürfnis der Jugend nach individueller Spaßkultur kann er schon tolerieren, doch so schnell ist an eine Lösung aus finanziellen Erwägungen nicht zu denken. Das Geld braucht er für die Kanalbaufirma, der Bruchköbel schon so lange Jahre treu ist. Und der Platz im Peller war eigentlich nicht für unsere Kinder gedacht, sondern zur „Begegnung der Bürger“. Hinter diesem arg katholischen Wortverdreher lesen wir heraus, dass die Kinder, die ihr Heil in Bruchköbel nicht in Kirchen und Vereinen suchen, keinesfalls Bürger sind. Von dieser Unterstellung zeugt übrigens die gesamte Jugendpolitik in Bruchköbel. Wer einmal die zum Konzentrationslager hochgestylte Halfpipe neben der Kläranlage bestaunen konnte, wird hier sicher beipflichten. Sie zeigt, was man im Rathaus von Kindern hält, die nicht zum Posaunenchor der Feuerwehr gehen. Dass wir alle der bald scheidenden Junta des Stadtrates für ihre Zukunft alles Gute wünschen wollen, ist selbstredend. Weil wir uns auf eine Stadtverwaltung von Menschenfreunden freuen, die ihre Aufgabe nicht darin sieht, möglichst all unser Geld mit gewogenen Baufirmen zu verbuddeln. Eine Verwaltung, die ihr Handeln ausschließlich an den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen ausrichten wird. Es geht hier schliesslich um unsere Kinder. Die Art von Lebewesen, die uns in Zukunft den Arsch abputzen soll, falls der Schlag uns auf eine Trage geworfen hat. Für seine satte Pension haben wir ja gesorgt. Jetzt müssen wir finanziell geplagten Eltern die Kinder nur noch irgendwie unbeschadet an ihm und seinen ehrenamtlich Freiwilligen Blockwarttruppen (7 Euro die Stunde) vorbei bringen, damit die Pension auch ausbezahlt werden kann. Dann war es wenigstens nur ein finanzieller Verlust. Bald geht Elvis in Pension. Insofern ist ja doch eine schnelle Lösung für ein schwieriges Problem in Sicht.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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