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Gestern lud der Lionsclub seine Mitglieder nach Bruchköbel-Dawillichleben zu einer Veranstaltung. Der Club beabsichtigte, sich an den Worten des hessischen Finanzministers Weimar zu laben. Es sollte ein exklusiver Vortrag gegeben werden. Der Minister wollte das Thema ventilieren: „Sind die Finanzen der Kommunen zu retten?“
Abgesehen davon, dass der Finanzminister eher zu dem Club gehört, vor dem es gilt die Schatullen der Kommunen schleunigst in Sicherheit zu bringen, war das Kuriosum dieses Abends, dass es sich der elaborierte, private „Club“ in aller Dekadenz im Sitzungssaal des Stadtparlamentes gemütlich gemacht hat. Alles was recht ist, was haben die da zu suchen?
Über die Veranstaltung wurde bei der Stadtverordnetensitzung am Dienstag, Rekord-Sitzungszeit 15 Min., unter dem Programmpunkt „Mitteilungen des Magistrates“ informiert. Angesichts einer Hallenvielfalt in Bruchköbel, die unter den hessischen Kommunen ihresgleichen sucht, war es dieser ausgesprochen exklusive Veranstaltungsort, der unserer Fraktionsführung von der SPD eine Nachfrage wert war. Ob jetzt in Zukunft der Saal generell für private Veranstaltungen genutzt werden darf und wie die Gebührenordnung aussieht, wollte Frau Dr. Führes jetzt aber doch gerne wissen! Wie üblich bei Anfragen an den Magistrat, die unter die Kategorie „Majestätsbeleidigung“ fallen, gab der Bürgermeister in deutlich vernehmbarem, leidigem Ton unwillig Auskunft. Dabei wurde der nach dieser Anfrage bestimmt nicht mehr „lionsclub-fähigen“ SPD-Dame beschieden, dass der Bürgermeister der Hausherr im Rathaus sei und frei in der Entscheidung, welchem Veranstalter er den Saal der Stadtverordneten zur Verfügung stellt. Außerdem trage sich der Minister in das „goldene“ Buch der Stadt ein. Selbstverständlich wird er dafür in einem offiziellen Festakt vom Bürgermeister begrüßt. Das sei Grund genug für den ungewöhnlichen Veranstaltungsort des einladenden „Privatclubs“. Der Bürger versteht sofort, weshalb die elitäre Riege der "Lions" keine Saalmiete bezahlen musste. Der Bürgermeister selbst hatte gute Chance, neben einem Ranghöheren in die Kameras zu grinsen, was eine seiner Leidenschaften ist. Er gehört selbstverständlich auch zu dem erlauchten Kreis der berufenen Clubmitglieder, bei dem er garantiert keine Arbeiter, Sozialhilfeempfänger, Angestellte oder gar Arbeitslose treffen muss. Und selten mal einen Lehrer in Besoldungsklasse B4. Das wurde dann eindrucksvoll bestätigt, beim Auftrieb der glänzenden, schwarzen Limousinen, deren veredelte Insassen am Donnerstag 19 Uhr 30 im dunklen Zwirn die Stadtmitte dominierten. Der Lionsclub ist eine Wagenburg eben der Menschen, die sich für die feine, einflußreiche Gesellschaft halten. Und für die ist der Sitzungssaal des Stadtparlamentes gerade mal gut genug. Da zeigt man sich als Hausherr doch gerne mal grosszügig. Solcherart spendable Gesten auf Kosten der Steuerzahler blasen die Reputation des Bürgermeisters im Club natürlich zu doppelter Grösse auf. Wer wie er angibt und das auch noch mit öffentlichem Geld besorgen kann, befindet sich dabei offensichtlich stets in bester Gesellschaft Gleichgesinnter. |