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Von der latenten Gefahr, die von der Uran-Technologie an sich ausgeht, spricht kein Mensch mehr. Ja, selbst die Grünen wollen lieber über die friedliche Nutzung verhandeln, als den Mullahs das heikle Material zugunsten etwa der Sonnenenergie aus den Fingern zu klopfen. „Kein Atomstrom nirgendwo auf der Welt“ scheint nicht mehr Bestandteil grüner Denkmuster zu sein, seit man in Berlin Herrenluft atmet. Der Iran jedenfalls will die derzeit ausgesetzte Anreicherung von Uran bald wiederaufnehmen. Es sind schließlich die gleichen Atome wie 1957 - die für den Frieden. Also verstehen die Religionshüter in Regierungsamt auch die Aufregung nicht. „Wir lassen nicht zu, dass andere Staaten unsere Anreicherungsaktivitäten völlig stoppen“, sagte der Atombeauftragte Hassan Rohani mit Blick auf die USA, die Teheran verdächtigen, eine Atombombe zu planen. Rohani versicherte jedoch, man werde mit der Internationalen Atomenergieorganisation zusammenarbeiten. Das ist die Karte, auf die Europa ganz pragmatisch setzt in der Annahme, Verhandeln sei billiger, als Söldner und Schiesswerkzeug in Bewegung zu setzen.
Teheran würde „entschieden“ auf „mögliche unkluge Schritte der USA im Iran“ reagieren, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Hamid Resa Asefi. „Wir werden auf die Unterstützung des Volkes, auf diplomatische Fähigkeiten und militärische Stärke bauen.“ Asefi reagierte damit auf Äußerungen von US-Präsident George W. Bush, der einen Militärschlag gegen den Iran nicht ausschloss, falls Teheran nicht umfassend über sein Atomprogramm Auskunft gibt. Irans Außenamtssprecher wies die Äußerungen Bushs als „psychologische Kriegsführung“ zurück. Der designierten US-Außenministerin Condoleezza Rice riet er, „die falsche amerikanische Politik zu revidieren“. Rice hatte bei einer Anhörung im US-Senat einige Länder, darunter auch den Iran, als „Vorposten der Tyrannei“ bezeichnet. Irgendwie ist ihr dabei die Situation im eigenen Staat und dessen Umgang mit dem Rest der Welt aus dem Blickfeld geraten, sonst wäre sie in der Wortwahl vielleicht etwas zurückhaltender gewesen. Asefi warf Bush und Rice vor, die „konstruktiven“ Gespräche Teherans mit der EU als Mißerfolg darstellen zu wollen. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Agha Mohammadi, nahm zu dem Artikel des Reporters Seymour Hersh Stellung, US-Geheimkommandos kundschafteten atomare und chemische Anlagen im Iran als Ziele eines US-Bombenangriffs aus: „US-Kommandos können nicht einfach in den Iran kommen, um zu spionieren; das wäre zu einfach.“ Wenn man sich an die diversen amerikanischen Kommandos erinnert, die kläglich an der iranischen Wüste scheiterten und dort in den Gefängnissen vor sich hindämmerten, nimmt man ihm das widerspruchslos ab. Die Bundesregierung jedenfalls setzt weiter fest auf Verhandlungen. Die laufenden Gespräche seien „ohne Alternative“, betonte Regierungssprecher Béla Anda nach einer Kabinettssitzung in Berlin. Auch in anderen europäischen Ländern reagierte man auf Bushs Worte mit Vorsicht. Bislang bleibt Europa geschlossen beim diplomatischen Ansatz. Deutschland, Frankreich und Großbritannien - gelang es Ende letzten Jahres, Teheran eine Zusage über den vorläufigen Stopp der Uran-Anreicherung abzuringen. Der britische Außenminister Jack Straw verteidigte in der „Financial Times“ die Strategie der drei Regierungen gegenüber den härteren Kurs der USA. „Es ist eine bessere Strategie als die Alternative“. Die designierte US-Außenministerin Condoleeezza Rice hat dagegen eine harte Linie gegenüber der Führung im Iran angekündigt, in deren Atompolitik die USA eine ernsthafte Bedrohung sehen. „Irgendwann muss der Iran für seine fehlende Bereitschaft, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen, zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Rice am zweiten Tag ihrer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Senats. „Es ist wirklich schwer, eine gemeinsame Basis mit einer Regierung zu finden, die glaubt, Israel müsse ausgelöscht werden“, sagte Rice über den Iran. In dieser Hinsicht hätte sie sich mit den Deutschen kurzschließen können, denen genau dieser Spagat mit einem berühmt-berüchtigten Beduinensohn aus Lybien überraschend konstruktiv gelungen ist. „Wir haben eine Menge Entscheidungen in dieser Zeit getroffen. Einige von ihnen waren gut, einige waren nicht gut und einige waren schlechte Entscheidungen, davon bin ich überzeugt“, sagte Rice über die Irak-Politik der US-Regierung. „Wir hatten nicht die richtigen Fähigkeiten, nicht das richtige Leistungsvermögen, um einen Wiederaufbau von diesem Ausmaß handhaben zu können.“ Dem kann unmöglich etwas hinzugefügt werden. Zu befürchten ist nur, dass die Amerikaner diese Worte selbst völlig anders verstehen als wir. Die 50-jährige Rice ist übrigens die erste schwarze Frau an der Spitze des US-Außenministeriums. Sie wird Colin Powell nachfolgen, der in der Regierung als Gegenspieler der Vertreter der harten Linie in dem von den USA erklärten Krieg gegen den Terror galt. War das nicht auch der erste schwarze Mann in dieser Position? Solange man nur reaktionär genug denkt, kann man selbst in rabenschwarzen amerikanischen Regierungen mittlerweile mit jeder Hautfarbe zu Amt und Würden kommen. Insofern scheint sich auf der Welt ja doch noch was zum Guten hin zu bewegen. Wenn es nur dem amerikanischen Traum dienlich ist: Der ungehinderte Zugang zum Öl der anderen. |