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Kinderpriester PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
27.02.2010

Der (!) Zölibat sorgt mal wieder für Aufmerksamkeit.

Im Fokus der Erregung steht die sexuelle Enthaltsamkeit katholischer Priester.

Wollen wir über das reden, was sich beim römisch-katholischen Gottesmann in der körperlichen Liebe abhebt? Lieber nicht!

Wir müssen! Mal geißeln sie sich blutig bis zur Ekstase, mal schwitzen sie Spermien durch Rippen. Dann müssen Kinder für das herhalten, was sie nicht miteinander tun dürfen. Nicht dürfen verdankten wir dem Zölibat. Christus oder gar Gott halten sich da raus. Es ist eine irre Anordnung von Kirchenführern, die lieber bis zum feuchten Blut geißeln, als Hand an sich zu legen.

Der Zölibat wird vom Fachpersonal vor Ort oft mit Hilfe der „Haushälterin“ unterlaufen. Diese Form der Befreiung vom Körperlichen gilt allgemein als tolerabel. Auch die ungehorsame „lustige Witwe“ ist, neben vielen anderen denkbaren, sexuellen Protesten, gesellschaftlich erträglich. Der Umgang mit Kindern fällt dagegen auffallend oft antichristlich aus. Holdselige Knaben, Schutzbefohlene, die einer nur scheinbar menschlichen Institution anvertraut wurden, erfahren dort auffallend oft derartige Zuwendung, dass man von justiziabler, physischer wie psychischer Gewalt an Schutzbefohlenen sprechen muss.

Ein Antichrist, der an Knaben geradezu unersättlich ist, überrascht aber eigentlich niemanden. Wie Soldaten vom König, so werden Knaben traditionell von der Kirche berufen. Kaiser und Könige sind gestorben. Doch Knaben müssen in der harten Schule des Klerus immer noch derart hart dran glauben, als dass es Weißgott unmöglich je unter einen Teppich zu kehren ist. Doch auch diesmal wird nichts Neues sondern ein Teppich gesucht. Früher übergab man zur Beschwichtigung empörter Gemüter schon mal ein Stück Land zur Bewirtschaftung, oder übernahm theuer gewordene Kinder gar vollständig in den Kirchendienst. Das Wegsperren Verrücktgewordener ist bis heute die gemeinste Strategie im Umgang mit verzweifelten Kindern.

Doch es gibt eine neue Qualität im Sumpf.paedophile pilze Uns erschließt sich die Erkenntnis: Pädophiler ist in unserem Rechtssystem nicht gleich Pädophilem. Ein rundum qualifizierter Straftatbestand wird von der christlichen Gesellschaft mit einem für die Kirche recht praktischen Qualifikationsschema unterlegt. In seinen zwei Kategorien finden wir zunächst einmal den ganz gemeinen Perversen. Der ist das Allerletzte und gehört unverzüglich weggesperrt. Doch daneben gibt es den Kinderpriester. Obwohl der das Gleiche tut, wie der gemeine Perverse, ist es doch nicht dasselbe. Kinderpriester werden nicht unverzüglich aus dem Verkehr gezogen wenn sie Kinder gepriestert haben. Sie werden von der vorgesetzten Kirche in einen anderen Sprengel versetzt, falls keine allzu lauten Klagen aufgelaufen sind. Das hat den Anschein, dass ein Pädophiler mit Priesterweihe, etwa aufgrund der fachlichen Eignung als Menschenkenner -versteher und -tröster, als eher qualifizierter Pädophiler gilt, dem man nicht in der rigiden Form begegnen muss, wie dem säkularen Kinderschänder.

Die große Glocke der Staatsanwaltschaft zu bemühen, erscheint der Kirche bekanntermaßen, wie das Verbrechen nach dem Verbrechen. Ab wann also ein kircheninterner Problemfall mit qualifizierter, weltlicher Aufmerksamkeit zu rechnen hat ist nicht nur vom Zufall wie der zuständigen Staatsanwaltschaft abhängig, sondern in erster Linie von der Informationslage. Solange Kirchen nach dem Nehmen nicht aufklären sondern lieber geben, werden solcherart Affären am runden Tisch im Keim erstickt. In Zusammenarbeit mit Eltern, die ich noch nicht einmal korrupt nennen will. Wobei die Kirche den zu erstickenden Keim primär in der Beschwerde sieht und nicht etwa im Sexualdelikt selbst. So geht ein Großteil übler Taten ganz klar am Text und Arm des Gesetzes vorbei. Verschwörungstheoretisch bezeichne ich das als einen Staat im Staate.

Heute hörte ich gar von einer besoffenen Christdemokratischen Mutti, die einen „runden Tisch“, gebildet aus Vertretern der Kirchenmänner und des Staates, vorgeschlagen hat. Kann man bitte die fahrlässige Dame zusammen mit den lästerlichen Kinderpriestern in' s Gefängnis werfen? Sie kann sich dort den Herren ergänzend als Haushälterin andienen, falls ihr die Bürde einer Erfüllungsgehilfin als zu leicht erscheint. Runder Tisch meint konkret, die ganze Geschichte ohne lästige staatsanwaltliche Beteiligung abwickeln. Ansonsten hätten wir doch längst vom eckigen Tisch mit Verhör-Scheinwerfer gehört. Runder Tisch klingt beinahe vernünftig aber im Ernst: Ich schlage vor, die Kirche gibt sofort alle Geiseln frei. Täuflinge, Kommunionlinge, Firmlinge, Sextaner und alles, was zwei Beine hat soll machen, dass es in Sicherheit kommt.

MulmigEine besonders raffinierte Form unangemessener staatlicher Reaktion ist, wie in solchen Fällen oft, die Übersprunghandlung. Nein, nicht das fröhliches Zecherspiel mit zwei oder mehr springenden Trinkern. Es handelt sich dabei um die hohe politische Kunst das Unvermeidliche mit dem Praktischen zu verbinden. So wurde das Thema Kinderpornografie einst begierig vom ehemaligen Innenminister Schäuble aufgegriffen, der in einem Kraftakt zusammen mit jedem verfügbaren Gutmenschen in Parlament, Bundesrat und willfähriger Presse das Telemediengesetz so einzwängte, dass wir im Internet kein Bit mehr ohne die Aufmerksamkeit der staatlichen Schützer zum Byte verketten können. „Ja was denn, Du bist gegen das neue Telemediengesetz? Ich habe Nichts vor Niemand zu verbergen.“ Bald werden sie uns noch verstärkte Präsenz im katholischen Gemeindeleben empfehlen, wenn wir wirklich Veränderungen haben wollen. Weil es dadurch mehr soziale Kontrolle im Kirchenschiff gibt. Wir sind doch selbst dran schuld, wenn wir unsere Kinder mit Männern im Zölibat alleine lassen. Die Schuld vom Hippie wurde von einem bisher ernstzunehmenden Bischof öffentlich ventiliert. Da sich ein Zusammenhang zwischen dem Sexualleben von Hippies und Priestern für mich nicht kausal konstruieren lässt, kam ich darauf, dass der Bischof sich vielleicht zwischen all der beunruhigenden Aufklärung bedroht fühlte.

Er muss sich keine Sorgen machen. Nicht nur pädophile katholische Kinderpriester vergnügen sich gerne am Ministranten. Nein, auch katholische Minister behandeln Kinderpriester lieber ministrant am runden Tisch, als in der Abgeschiedenheit einer dunklen Verhör-Sakristei. Das klingt angemessen vorsichtig, denn aus Erfahrung wird man klug. Es ist aber in Wirklichkeit total verrückt.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

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