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gemein unabhängig - bösartig modern - 7. Jahrgang - Juli 2010
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Wasserzauber PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
21.12.2008

Pleitegeier oder Füllhorn?Wenn im Mai der Bach bergauf fließt, ist ein neuer Haushalt in Kraft. Dann machen wir Schulden um den Günstlingen der Zauberer den Reibach zu reichen. Am Schluss sollen in Dawillichleben alle derzeitigen und zukünftigen Bürger um bis zu erwünschte 10 Millionen Euro erleichtert worden sein. Deshalb heißen wir Bürger. 

Geht es nach dem Dawillichleben der gequirlten Mitte, bürgen wir bald mit Kopf, Kragen und sogar der Arbeit unserer Kinder für den derzeitigen Allparteienhimmel im Kewel Dawillichleben. Wir werden in Haft genommen für das bereits spruchreife "Nirwana vom Kewel". Psychedelisches Gewaber synthesisert durch die Köpfe. Musik, bei der die toten Roten mit zahngelben Blauen neben Grottenschwarzen gümbeln, während Grüne lasziv an sich selbst herumspielen und Wale lieb haben. Jamaika war gestern. Das Tegut-Parlament tagt. Willkommen in Dawillichleben 2025.

Nach bald sechs Jahren ausgeglichenem Haushalt hatten die Hofschranzen genug vom Sparen. „Was geht König?“, kratzten sie ungeduldig an seiner Tür. „Wo ist die Haut zum Verteilen?“ „Macht euch ab!“ Der aufrechte Verwalter des Reiches hatte sechs Jahre lang jedwedes Ansinnen tapfer abgewehrt. Er war der Verweser. Charly sein Offizier.  „Wir haben kein Geld. Der Haushalt ist ausgeglichen. Die Kanäle sind blank, böse Buben machen krank!“ So bekommt man keine neuen Freunde.

Die schlecht geliebten Günstlinge sollten weiter darben im langen Schatten des Zwergenkönigreiches. Alle Junker lutschten unlustig an ihrem Kanten Brot bis der Abend des Reiches aus der Außenwelt heranzog. Rocker-Charly stakste müde von der Brücke. Da grollte es an den Gestaden jenseits der Grenzen. Wetterleuchten im Inneren kündete von aufkommendem Unheil. Auf der einen Seite keiften unzufrieden die Günstlinge - auf der anderen lachten Bürger, die für nichts zu bürgen hatten. Das war eine gefährliche Suppe. Inmitten des Gemenges, im Zwielicht krochen sinistre Demotakten über die Gassen und haben gemein im Finstren Saale üble Ränke geschmiedet. Thünnes ward ins Ohr geschleckt; das Unheil in Gang gesetzt. Es gärte im Gemisch, währenddessen die Zauberer unaufhörlich Sprüche in unsere Ohren brummten. Die Legende wurde Wirklichkeit. Das Füllhorn sollte kommen.

Als die hohen Frauen ihre Taschen dort stopften, wo Motten heraus gekrochen waren, sollte ein Pastor Gott vom Himmel holen. Die Menschen staunten offenen Mundes, während Strahlen aus dem Kirchturm pulsten und sich in ihren Gehirnen einnisteten. Rentner starben plötzlich, wie die Fliegen. Der Hohepriester suchte über einen sprießenden Bach hinweg das Weite. Fast unmerklich hatten die Stadtbäckers einen neuen Mieter in der Stube. Alte, umgedrehte Cristliche Demokraten von der Union hielten inkognito den Inneren Ring fest umklammert. Dann, währenddessen die Sterne kalt über Dawillichleben blinkten und ein Tropfen roten Blutes vom Finger der dicken Landfrau rann, hörte man sie wispern: „Schau! Dort in den Perseiden. Schau ein Licht!“ Ein Meteoritenschauer stob gleißend schimmernd hinab. Das Füllhorn ward geboren. Nun muss das Horn wer füllen, damit im Mai der Bach bergauf fließt.

Die Heinrich-Böll ist aus Beton. Das Bürgerbüro kommt schick in Holz und Halogen. Glorreichen Fußballern gebühren zwei Kunstrasenplätze für je Sechshunderttausend Mücken. Da, die Feuerwehr kriegt auch noch was. Ach was, alle fünf Feuerwehren! Wer sonst noch will, der melde sich bitte. Du möchtest in den Ausschuss? Kein Problem. „Willste mit aufs Foto?“ „Mir wolle nur die Haut. Du kommst net in die Sitzung, dann ist den Formalitäten Genüge geleistet un des Grundstück haste sischer.“ Gibt's da noch Kritiker im Kewel? Ich fürchte, außer den bösen Buben ist niemand in Sicht.

Barock schwillt mit der Morgenröte. Einer hat bereits den Teppich im Meisterzimmer ausgelegt, während ein Anderer die schäbigen Möbelstücke des Königs der Verwalter und seinen Nullhaushalt gleich mit entfernen durfte. Des Abgedankten Ikea gegen ein etwas einfältigeres Meister-Ambiente einzutauschen, ist legitim. Schließlich ist man noch nicht Niemand, sondern Repräsentant. Die Sachlage erläutert derweil Amtmann Hopalla. Er stammelt dem Parlament die Doppik. Unter dem braunen Brokat des Füllhornträgers suhlt sich die Liebe zum Bürger. Mit dieser Hure macht man sich neue Freunde. Wenn zwei nicht reden können und dazu die Null im Haushalt keine Bedeutung hat, gibt das eine Bombenstimmung im Tegut-Parlament. Auf den Gängen wird bereits geraunt.

„Der hat en Korze net nur in de Hos.“ „Deshalb könne mir widder mache was mer am Beste könne.“ „De Annern hat’s net kabiert.“ „Na was dann?“ „Wie dann auch? Als Verwaltungsfachmann kennt der des net!“ „Woher dann?“ „Da musst erst en Stromer in den Kewel nai! „Pop up the Volume! Mach mehr Bass enoi. So is okay!“ „Des geht ab!“ „Ui en Grundstück unnerm Windrad. Eieiei was spritzt des Horn!“ „Da is Musik drin. So musses sei!“ Handkäs mit Musik aß der Herr im Löwen, während das Parlament die Hand hob. „So, wie immer in den glorreichen Zeiten vor König Sparmischdusslisch unn dem sein staubische Nullhaushalt.“ „Was'n Glück. Des hätt's bei dem Annern net gewwe!“  „Saache mer mal so: Der Mann war zu korrekt. Odder? Desdeweesche is der ja jetzt auch bei dene Beese Bube.“ „Gorreckt! Du sprichst wahre Wordde gelasse aus! Was'n Zauber.“

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

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