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Das „Bündnis gegen Rechts“ geht in die Produktion. Wir sind schon lange gespannt, was uns diese überparteiliche, interkonfessionelle Gruppierung eigentlich sagen will. Die jüngste Ankündigung des Bündnisses verspricht eine Veranstaltung, von der wir viel erwarten müssen. Mit der projektierten Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ legt sich das Bündnis die Latte sehr hoch.
Mit diesem Thema hat sich die Bruchköbeler Initiative ausgerechnet einen der gesellschaftlichen Defekte herausgesucht, der am schwierigsten innerhalb einer Ausstellung zu visualisieren ist. Es wäre wohl eher ein Thema, das man zunächst im Rahmen einer kollektiven Psychoanalyse behandeln müsste, um überhaupt geistig in der Lage zu sein, eine Ausstellung darüber auf die Beine zu stellen. Man sieht Faschismus tatsächlich nur dann, wenn seine Symptome an die Oberfläche treten. Ansonsten glimmt er mehr oder weniger gefährlich in jedem von uns. Aber das wird wohl kaum jemand zugeben. Besonders nicht die Person, die sich im Rahmen eines Bündnisses einfindet, um etwas gegen Neofaschismus zu tun. Sie merkt wohl kaum, dass sie sich gerade bei diesem Unterfangen dem Faschismus in einer Weise annähert, dass ausgerechnet sie Gefahr läuft, selbst dem Faschismus zu verfallen. Wir können also gespannt sein, wie das Bündnis dieses indifferente Spannungsfeld zwischen individuellen Urängsten und gesellschaftlicher Aufklärung so mit Leben erfüllt, dass dabei das Gesicht des schimärenartigen Faschismus an die Oberfläche kommt. Es wird nicht einfach sein, eine Ausstellung zu einem Bauchgefühl auf die Beine zu stellen, das mehr oder weniger in jedem Menschen arbeitet. So kann man nur hoffen, dass wir es mit einem hochkarätig besetzten Kuratorium zu tun haben werden, damit die Bruchköbeler Initiative das Thema nicht allzu heftig in den Sand setzt. Der Bruchköbler empfiehlt, sich diesbezüglich mit den letzten Mohikanern der momentan flüchtigen „Frankfurter Schule“ an einen Tisch zu setzen. Die haben sich an dem Thema zumindest mal annähernd adäquat abgearbeitet. Kein Mensch will mehr was hören von vergasten Juden. Das war wohl der beherrschende Tenor in den Beratungen des Bündnisses. Unsere Kinder werden seiner Meinung nach über Faschismus genügend aufgeklärt. Doch die Aufklärung ist Staatsdoktrin und für die Jugend ein genauso lästiges Thema, wie die von oben verordnete Sexualaufklärung. Da wollte die örtliche Initiative „Gemeinsam gegen Rechtsextrem“ keine toten Juden draufsetzen und haut mit ihrem „Neo“ lieber voll daneben. Dem Phänomen des Faschismus wird man nicht ansatzweise gerecht, wenn man ihm aus reinem Opportunismus alte Locken abschneidet und seine Frisur auf den Zeitgeist der Glatze beschränkt. Es interessiert die Jugend mehrerer Generationen schon lange brennend, welche Bruchköbeler Familien sich konkret am Gut der vernichteten Bruchköbeler Dorfjuden bereichert haben. Es interessiert sie ganz sicher, wie die armen Menschen in unseren fünf Dörfern verschwunden sind und wer sie über die Klinge springen ließ. Die Namen der Opfer sind allzeit wichtig und trotzdem im Ort nicht präsent. Die Benennung der Täter wäre der erste Schritt zur Besserung! In Bruchköbel hat es aber, bemisst man das nach den öffentlich zugänglichen, vorhandenen Informationen, keine Opfer und keine Täter gegeben. Neofaschismus existiert nicht! Der Faschismus hat nie aufgehört. Das ist die bittere Wahrheit. Fangen wir in Bruchköbel daher zunächst damit an, lange nach dem Höhepunkt des kollektiven Faschismuswahnes, Namen zu nennen und Orte zu zeigen. Warum soll man das Kapitel des konkret mordenden Faschismus weiter deckeln? Warum seine grausame Fratze im schwammigen Begriff des Neofaschismus marginalisieren? Weil man auf diesem Wege niemandem in der Stadt auf die Füße tritt. Das ist immer das Angenehmste für ein bürgerliches Bündnis mit Minimalkonsens im Diffusen. Damit sieht aber auch jeder, worum es in diesem "Bündnis gegen Rechts" eigentlich geht. Es geht um die schlichte Botschaft: Wir sind die Guten - irgendwo lauert das Böse! Das Problem mit dieser Art Gutmensch ist aber Folgendes. Das "Bündnis gegen Rechts" ist mit Personen besetzt, die gerade eben eine "Gefahrenabwehrsatzung" im Stadtparlament durchgewunken haben. Diese "Gefahrenabwehrsatzung" ist eine Art „Ermächtigungsgesetz“, das gegen die eigene Jugend gerichtet ist. Die Stadtverordneten, außer dem BBB, haben es beschlossen, weil sie die vorhandene Gesetzgebung nicht für ausreichend befinden, um den öffentlichen Raum vor Übergriffen auf ihre Definition von Ordnung zu schützen. Daher finde ich es für dringend geboten zunächst vor der eigenen Türe zu fegen, bevor man den Zeigefinger gegen andere erhebt. Wer eine Ausstellung gegen Faschismus anstrebt, sollte peinlichst genau darauf achten, dass wenigstens innerhalb der eigenen Reihen niemand den realen Faschismus vorantreibt. Doch wer sich der Deutungshoheit bemächtigt hat, kann bekanntlich tun, was immer ihm beliebt. Das ist im Prinzip auch schon das Hauptgesetz des Faschismus. Ob er uns nun neo- oder konservativ daherkommt. Die angekündigte Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ läuft also längst als Theater im Realen. Man muss es nur sehen wollen. |