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Wundersames vollzieht sich in Bruchköbel. Man besucht in großer Runde gegenseitig die Feste ehemaliger politischer Gegner. Man stimmt in der Versammlung der Stadtverordneten für Anträge der eigentlichen Konkurrenz und lehnt parteiübergreifend Anträge des Bruchköbler Bürgerbundes (BBB) ab. Sogar die ewig chancenlose SPD-Forderung nach einem „Bürgerbüro“ wird durchgewunken. Warum rücken Parteien nun zum Zentralkomitee zusammen? Und warum druckt der Bruchköbeler Kurier diesen Leserbrief nicht ab?
Weil es dem nicht nur politisch zweifelhaften Maibach gelungen ist, die Stabilität im Städtchen auf den Kopf zu stellen. Die Stabilität, die einst als kommunalpolitisches Markenzeichen über die Stadtgrenzen hinaus Neid erregte. Nun mauscheln ehemalige Konkurrenten in einem Allparteien-Kartell um den Kuchen. Wie das funktioniert, haben die Berater von Maibach ausbaldowert. Bereits 2005, als die CDU Harald Hormel als Ersten Stadtrat nominierte, griff der damalige CDU-Stadtverordnete Maibach, ermutigt durch SPD, FDP und Grüne, den eigenen Kandidaten an. Damit brachte er zuerst die Stadtratswahl und dann 2006, die absolute Mehrheit der CDU zu Fall. 2007 trat er, mittlerweile gebrandmarkt als CDU-Paria, gegen den amtierenden, ehemaligen „Parteifreund“ Michael Roth als „unabhängiger“ Bürgermeister-Kandidat in den Ring. In der Stichwahl unterstützten ihn SPD und FDP. Die focht es keineswegs an, dass Maibach sich noch nicht einmal innerhalb der CDU für eine Position empfehlen konnte. Sein einziger Vorteil: Er war einer von ihnen. Er repräsentierte die dritte politische Garnitur und zeigte, wie man es trotzdem schafft. Durch diesen Coup ermutigt, ekelte die dritte Garnitur ihre fähigsten Leute aus der CDU hinaus, während bei SPD, FDP, und Grünen bereits seit Jahren nur Drittklassiges aufgestellt wird, was deren Wahlergebnisse mit grausamer Regelmäßigkeit bestätigt. Gemeinsam und nur leicht gestört vom BBB, kann der Kuchen nun zum ersten Mal unter den weniger Erfolgreichen verteilt werden. So passt es auch ins Bild, wie aus „gut unterrichteten Kreisen“ zu hören ist, dass die SPD der CDU die Zustimmung zum Haushalt 2009 zugesagt habe. Dafür verspricht die CDU der SPD, dass der SPD-Fraktionsvorsitzende Vorsitzender im Haupt- und Finanzausschusses werden soll. Also genau der SPD-Kandidat, der bisher bei allen Wahlen chancenlos war. Im Machtkartell der dritten Garnitur geht es nicht um besondere Qualifikationen. Es geht auch nicht um Inhalte, sondern nur um Posten. Der Wähler erkennt die Schiebung. Spätestens 2011 wird wird die dritte Garnitur wieder abgeräumt und in die Schublade zurück gelegt. Der "Hanauer Anzeiger" hat diesen Leserbrief am Samstag, 6.9.2008 gedruckt. Dem "Bruchköberler Kurier" dagegen war er zu "diffamierend". Die Schere im Kopf der Herausgeberin Marianne Nolde produziert schon seit Längerem langweiliges, kleinbürgerliches Mittelmaß. Zuvor, für die bitterbösen Rentner des Demotaktenmündels Maibach wurde jeder Leserbrief gebracht. Wenn er nur den damals amtierenden Bürgermeister Roth für die Wahl hinreichend beschädigen konnte. Frau Nolde zeigt damit sehr deutlich, wie breit die dritte Garnitur im Städtchen mittlerweile aufgestellt ist. Wir haben den Kurier allerdings nie anders erlebt. Er ist ein unbedeutendes Provinzblättchen, das sich ohne Not eigenständig jeden Zahn einzeln gezogen hat. |