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Wo ist der Schlingelschrat? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
11.08.2008

Nur mal so nebenbei: Kein Fotoshooting mit Kutscher-Schlingel! Das war jetzt aber mal genug Erholung vom Torfstechen. Gibt's im Kewel grad nichts zu verbuddeln? Er könnte doch mal wieder im Django-Look mit Kindlein durch die Krebsbachaue springen. Dawillichleben du bist so still.

Kürzlich habe ich ein Bild gesehen. Vokuhila schien dort am Rande zu stehen. Oder war es ein Déjà vu auf dem Foto? Da stand einer am Rand vom Bild und ich hätte schwören können: Er war's. Aber er war's dann irgendwie doch nicht. Auch der Text zum Bild gab seinen Namen nicht her. Mir fehlt Rocker-Charly. Ach Gott, die herrlichen Empörungsberichte über Schandtaten in Stadt und Gemarkung. Er posierte immer dicht an der Schande dran. Ohne Bildunterschrift hätte man meinen können, er selbst hätte das angerichtet, auf das er gerade zeigte. Seine strengen Hände versprachen Zucht an userer Jugend. Rocker-Charly war einer, den konnte man ausrechnen. Ein grader Kerl in krummen Zeiten. Sein Hobby war der Tiefbau und seine Passion die verkommene Jugend. Und seine Kreidler. Aber der Kutscher? Schafft der noch? 

Nicht ein Verbot, seit der Charly vom Hof geritten ist. Kein Zaun, kein Warnschild. Keine Verbrechen. Keine Großbaustelle mehr. Kein Profil. Draußen scheint nichts mehr zu passieren. Ist da wirklich alles in Butter oder interessiert es den Kutscher nur nicht, wenn da was in die Natur geschmissen oder an eine Wand gesprüht wird? Vielleicht macht nur der Kurier seine Arbeit nicht richtig. Die haben keinen Mann an Kutschers Fersen kleben. Berichtet! Was geht beim Torfstechen? Vielleicht plant er ja gerade. Das gibt natürlich keine Sensationsfotos. Es sei denn, man erwischt ihn gerade dann in der Totalen, wenn sein müdes Haupt auf der Schreibtischplatte aufschlägt. Er spürt vielleicht gerade den Wahlversprechen der Grünen nach. Die haben unseren Familien versichert, dass wir Sozialarbeiter bekommen und ein ordentlich betreutes Jugendzentrum, das seinen Namen auch verdient.

Das war vor ein paar Jahren. Seit dem hat er schon viel für die Jugend getan. Er hat sie in Ruhe gelassen, was man vom Rocker-Charly nicht behaupten konnte. Wir wollen aber mehr. Wir wollen, dass unsere Kinder da draußen willkommen sind und sich die Stadt um sie kümmert. Sie muss sich ganz besonders um die Probleme der Jugend bemühen. Sonst fühlen die sich ausgegrenzt und sorgen für Sensations-Fotos. Oder für verprügelte Emos. Oder sie prügeln Polizistinnen. Die humanistischen Maßnahmen kommen aber immer nur in den Wahlkampf. Danach beglückt man uns final mit einem Bürgerbüro. Als ob die Damen im Kundenkontakt dann freundlicher würden. Nur weil es Bürgerbüro heisst. Das ist die Entwicklungs-Phantasie von Dummbauern! Früher hätte sich der Kutscher noch profilieren können. Der alte Chef hätte schon noch gelernt, dass Jugend Wählerpotential bewegt. Die wären sicher noch in Fahrt gekommen. Mit dem Geier ist das Geschichte. Der nimmt erst mal drei Millionen auf. Vielleicht ist es ja deswegen so still um den Kutscher-Schlingel geworden. Dawillichleben du bist so fad.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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