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Venezianische Nächte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
27.06.2008

Femme Fatale in DawillichlebenEin Galan huscht durch die Dawillichlebener Nacht. Die Schöße seines Fracks fliegen hinter ihm her, während die Kirchturmuhr Mitternacht schlägt. Alle Bürger liegen in braver Ruh', doch der Galan hat es eilig. Was lenkt seinen Schritt um diese unchristliche Zeit so hastig durch die finstre Stadt? Es ist der Lockruf eines geheimnisvollen Weibes.

Nach Rücksprache mit den Vertretern der christlichen Gemeinden haben wir beschlossen nicht mehr zu schweigen. Als dann auch noch der Imman der muslimischen Bruderschaft die Fatwa über den Bruchköbeler Kurier aussprechen wollte, mussten wir trotz Urlaub endlich in die Tastatur greifen. So haltlos kann es in Bruchköbel nicht mehr weiter gehen. Wir müssen unsere Bürger vor dem Abrutschen in die Abgründe der Unmoral bewahren.

Nacht für Nacht stolpern Gestalten, dumm vor Geilheit durch die Stadt. Alle sind auf der Suche nach dem venezianischen Maskenball, von dem im BK diese Bilder zeugten. Nicht genug, dass wir blind vom germanischen Weißschick des linken Pinup-Girls unter hündischem Hecheln durch Dawillichleben taumeln, nein. Der Kurier setzt noch eins oben drauf und zieht die Dawilichlebener Schönheit vor unseren inneren Augen nackig aus. Dann verhüllt er die Reize der Dame mit einem blauen Unterzeug, das uns die Hosen dermaßen zum Bersten bringt. Als wäre das alles nicht genug, schlägt der Kurier dem Fass den Boden aus, indem er den ganzen Liebreiz dieses holden Weibes wohlfeil in blaue Pumps hinein stellt.

Wer malt es sich jetzt nicht aus, welch zauberhafte Schönheit sich wohl hinter der Maske der süßen Sünde verbergen mag. Und war nicht gerade das die lasterhafte Absicht, die hinter dieser mysteriösen Abbildung steckt? Wir sollten lüstern werden und uns vom Pfade der Tugend und des Herrn abwenden. Wer hat den Teufel in den Kurier gelassen?

Unsere Nachforschungen ergaben, dass Nacht für Nacht im Plenarsaal des Rathauses lasterhafte Maskenbälle stattfinden. Viele Honoratioren aus dem Lionsclub wurden dort mittlerweile ebenso demaskiert, wie auch sabbernde aber nicht so zahlungskräftige Zaungäste vom HGV. Die Dawillichlebener Tugendwache hat festgestellt, dass viele zügellose Weibspersonen im neuen Altenheim am Bahnhofskreisel tagsüber Unterschlupf finden, um des Nachts als maskierte Sünde in unseren Plenarsaal zu schlüpfen.

Zusammen mit den geistigen Führern aller Dawillichlebener Konfessionen fordern wir: Treibt die unzüchtigen Weibsleute zum Viadukt hinaus, damit sich unsere holden, züchtigen Liebfrauen wieder durch den Ort trauen können, ohne von der Phantasie der Mannsbilder auf Schritt und Tritt mit venezianischen Masken bedacht zu werden. Wir haben wahrlich schon genug Probleme mit Pleitegeier und Pleitekutscher. Wir können es uns jetzt auf keinen Fall auch noch leisten, im Taumel der sexuellen Gier den letzten städtischen Etat zu verpulvern. Geht in die Kirchen und Moscheen um Eure Sünden zu bereuen. Lasst ab vom Laster. Keine Maskenbälle mehr in Dawillichleben!

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.
so much
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