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Dreißigtausend Unterschriften PDF Drucken E-Mail
Verfasst von Pressereferent   
01.06.2008

Die Saudinger sollen keinen Zuwachs bekommen...Bürgerbelange und 30.000 Unterschriften werden von E.ON nicht berücksichtigt
Bürgerfragestunde bei der SPD Großauheim/Wolfgang

Am 19. Mai veranstaltete die SPD Großauheim/Wolfgang eine Bürgerinformation in der Alten Schule mit den Referenten Christoph Degen, Landtagsabgeordneter, Rechtsanwalt  Möller-Meinecke  und Edgar Kaufhold, Leiter des Kraftwerks Staudinger.

Der Landtagsabgeordnete Christoph Degen erklärte, wie augenblicklich die Lage in Wiesbaden ist und erläuterte das derzeitige Prozedere zu den zwei Anträgen von der Landes-SPD und von den Grünen. Beide befinden sich im entsprechenden Ausschuss. Die Auffassung der  SPD-Landtagsfraktion, dass Block 6 nicht gebaut werden soll, betonte Degen und appellierte an E.ON, von ihrem Bauvorhaben abzurücken.

Rechtanwalt Möller-Meinecke, der vom Oberbürgermeister Kaminsky gebeten wurde, die Position der Stadt Hanau darzustellen, erläuterte die rechtlichen Aspekte zum Raumordnungsverfahren und die Möglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger hier Einfluss zu nehmen. Hierzu verwies er auf seine Internetseite, auf der man im Rahmen eines Baukastensystems die einzelnen Einspruchsmöglichkeiten nutzen kann. Er machte darüber hinaus deutlich, dass sowohl Gesundheitsaspekte, der Kamineffekt und die bayerischen Belange durch E.ON im Scopingverfahren nicht berücksichtigt wurden. Insbesondere Antworten auf die Berücksichtigung der Mainauenwinde, aber auch auf Angaben zu Spitzenwerten konnte E.ON bislang nicht liefern. „ Grenzwerte und Mittelwerte von Schadstoffmessung sind völlig untauglich, da schläft der Gesetzgeber“ so Möller-Meinecke.

Hier noch einige Fragen, Antworten und Meinungen von den Bürgern an die Referenten. „Der Lärm von den Kohlezügen ist jetzt schon nicht mehr vertretbar“, so Herr Rauch. Er könne seine Mietwohnung deshalb jetzt schon nicht mehr vermieten. Frau Petra Lehmann bezeichnete den Block 6, wenn er gebaut würde, als „größte Zigarette der Welt“ und verwies auf die Warnhinweise jeder Zigarettenschachtel, die dann auch auf Block 6 zutreffen  würden. Herr Kargl fragte nach, wie oft wurden von 2007 bis 2008 die zulässigen Kurzzeitwerte der Stickoxide im Rauchgas und an den Messstationen überschritten? Die Antwort von Herrn Kaufhold: im Zeitraum von 6 Monaten wurden an den 10 Messstellen von E.ON an 2 Tagen an 2 Messstellen der zulässige Kurzzeitwert der Stickoxide überschritten. Die Gegner von Block 6  weisen darauf hin, dass das Kraftwerk Staudinger bei den Veröffentlichungen der Schadstoffmessungen immer nur die Mittelwerte angibt. Diese sind aber nicht aussagekräftig genug, denn es geht letztendlich um unsere Gesundheit. Über 30.000 Unterschriften gegen den Bau von Block 6 werden von E.ON nicht ausreichend berücksichtigt. „Das sind ja nur 10 Prozent der Bevölkerung rund um Staudinger“, so Kaufhold.

Weiteres Thema war auch der Ausbau der Fernwärmenetzes  der Stadtwerke Hanau. Der Ausbau ist zwar lobenswert, gleicht aber nur etwa die Hälfte der Absatzmenge aus, die es durch den Abzug der US-Armee in Hanau nicht mehr verkaufen kann. Somit werden zwei Drittel der produzierten , aber nicht gebrauchten Wärme in die Umwelt abgelassen. Der überwiegende Teil der anwesenden Bürgerinnen und Bürger war der Meinung, dass der Neubau von Block 6 überflüssig ist. Das Projekt ist in seiner Auslegung energiepolitisch überholt, es behindert den Ausbau dringend benötigter energiewirtschaftlicher Alternativen mit neuen arbeitspolitischen und wirtschaftlichen Chancen für die Region. Es werden Arbeitsplätze reduziert und es besteht ein höheres Gesundheitsrisiko durch Radioaktivität in der billigen Importkohle. Die Bevölkerung kann im Umkreis eines Kohlekraftwerks stärker mit Radioaktivität belastet werden als die Anwohner eines Kernkraftwerks.
Weitere Fragen waren: wie stellen sich die Auswirkungen durch den geplanten Kohlekraftwerksblock auf die umgebenden Wohngebiete, die Immobilienpreise, die Erhöhung der Wassertemperatur des Mains sowie die Belastung der Bevölkerung und Umwelt durch zusätzlichen Verkehr und Schadstoffe dar? Zum Schluss der Veranstaltung forderte Thomas Straub, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Großauheim/Wolfgang, den Leiter des Kraftwerks Staudinger auf, auch 30.000 Unterschriften für den Bau von Block 6 zu sammeln.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

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