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Aus! Aus! Aus! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
07.04.2008

Die Froschesser haben es versaut...Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest". Konfuzius liest dem Politbüro gerade die Leviten. Da kräht es aus Paris: "Die Fackel ist aus!" Im Lautsprecher kracht es noch. "Wer sich am Ziel glaubt, geht zurück", tobt Lao-tse. Ein Lackholztablett splittert. Becher tanzen auf dem Boden. Alle reden durcheinander: "Zurück nach Griechenland! Olympia! Die Reise der Harmonie geht von vorne los!"

Betreten blicken die Funktionäre nach unten. Sollen sie noch einmal die Fackel anzünden und über Peking weiter nach San Franzisco reisen? "Denn Beharrlichkeit ist fördernd", schnarrt das Orakel "I Ging" total angewidert über die langen Gesichter im Rat. Die Unfähigkeit des Politbüros eine simple Fackel um die Welt tragen zu lassen, erzürnt alle in der Halle versammelten Weisen. "Ich wünschte ich wäre Goethe", stöhnt Lao-tse fast unhörbar.

Der siegreiche Kommunismus hatte die Flamme gerade aufrecht durch die Hölle des tobenden, tibetanischen London getragen. Heldenhafte chinesische Schutzläufer, hechelnde Bobbies und der skatende Geheimdienst MI-5 des dekadenten, imperialistischen Inselregimes haben einmal alles richtig gemacht. Selbst die heimtückische Attacke fauchender, zu Feuerlöschern verkleideter Mönche konnte dem zarten, gut geschützten Kleinod olympischen Geistes nichts anhaben. Die rote Farbe hatte sie natürlich verraten. Unsere heilige Flamme der freien kommunistischen Weltspiele 2008 wurde allen haßerfüllten, tibetanischen Terrorversuchen zum Trotz von London nach Paris getragen. Das war ein großer Sieg für die chinesische Revolution.

Aber auch in Paris hatte sich der tobende, tibetanische Teufel bereits zusammen gerottet. Was soll man als aufrechter, chinesischer Kommunist schon von einer Nation erwarten, deren Mutter ganz Europa mit dekadenter Pornographie in einen geilen Taumel versetzt hat? Deren Vater vier Monate vor den herrlichsten Spielen aller Zeiten in einem Anfall tumber Triebhaftigkeit nicht weiß, ob er lieber Aufträge für 20 Milliarden Euro von den heldenhaften chinesischen Arbeitern und Bauern einstreichen- oder doch vielleicht Olympia im Sinne des an seinen Genitalien ziehenden tibetanischen Teufels boykottieren soll. Die zarte, heilige Flamme unseres stolzen Volkes konnte in dieser höllischen Unterwelt aus Gewalt und Versuchung nicht bestehen. Zur Rettung ihrer mageren Ehre ließen die Froschesser schändlich verlauten, dass die Flamme "aus technischen Gründen" erloschen sei. Ausgerechnet uns, den Erfindern dieser Ausrede, kommen die Hunde mit diesem billigen Narrenstück. Aber der unbestechliche Schutzkader, unserer heiligen Flamme berichtet jetzt mit der Hand auf seinem blutenden, kommunistischen Herzen. Hören wir von den wahren Gründen des Versagens der verruchten fünften Republik. Im Lautsprecher kracht es.

"Ein Fackelläufer trug die heilige Flamme aufrecht durch ganz Paris und einen von einer Handvoll tibetanischen Sezessionisten angezettelten Straßenkampf hindurch. Im Schutz unserer unbesiegbaren, heldenhaften Patrioten bestieg er gerade den Bus, der die Flamme bis Charles de Gaulle zum Abflug nach San Franzisco bringen sollte. Es war beinahe geschafft. Der Fahrer kaute auf einem Schneckenbrot herum als er die pneumatische Türe seines Transportmittels viel zu früh geschlossen hat. Mit der glorreichen Fackel geriet der Arm des Läufers zwischen die sich schließende Tür und die Karosserie des elenden Gefährts, wobei das Leuchtmittel des chinesisches Stolzes dem Läufer aus der Hand gedrückt wurde. Das Geschehen spielte sich zu unser aller Schande in unserem Rücken ab, da wir den einsteigenden Laufhelden gegen tobenden, tibetanischen Mob abschirmen mußten. Die Fackel fiel unglücklich auf den Kopf und erlosch augenblicklich. Wie vom Teufel ausgeblasen! Die Konterrevolution hat triumphiert. Der ewige Vorsitzende Mao verzeihe uns Würmern! Wir haben die Fackel notdürftig wieder angezündet."

Der Lautsprecher verstummt mit krachenden Schluchzen, als der große Vorsitzende Zedong gütig erläutert: "Natürlich kann eine Flamme nicht heilig sein. Genau so wenig, wie Kommunisten den Teufel sehen können. Das alles verbietet die reine Lehre der Kulturrevolution. Selbstverständlich steht heilige Flamme sinnbildlich für das ewige Prinzip hinter dem potemkinschen Dorf, das in unserem vorbildlichen Staat des ausgehenden siebten Jahrtausends zu einer herrlich glänzenden Stadt ausgebaut wird. Zu unserem Nutzen und dem unserer Familien. Und Teufel steht für die Neider der Konterrevolution. Das schnöde Feuerzeug eines zufällig vorbei kommenden, hündisch geilen Froschfressers ist natürlich nicht das geeignete Mittel, um den Stolz des chinesischen Volkes neu zu entfachen. Dafür gibt es die Laterne mit dem Feuer aus Olympia, die dem Lauf des Friedens in gebührendem Abstand folgt. Hört auf mit eurem Wehklagen, Funktionäre!" Ein Seufzer der Erleichterung durchdringt die Halle. Langsam beruhigt sich das Politbüro wieder. Ein Kommunist weint vor Rührung.

"Der Weg ist das Ziel", fährt der übel gelaunte Konfuzius in die aufkommende Stille hinein. Er spuckt voller Verachtung auf den Boden des Politbüros und wendet sich unwirsch zum Gehen. Dabei tritt er nach einem Becher, der daraufhin beinahe lustig klackernd durch die Halle springt. Schon wieder fällt in China ein Sack Reis um.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

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