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gemein unabhängig - bösartig modern - 7. Jahrgang - Juli 2010
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Glorreich vergeigt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
28.01.2008

Auf dem linken Auge blind...Frau Ypsilanti fegt vernichtend über die CDU hinweg und gewinnt trotzdem nicht. Das ist nicht nur bittere Ironie, sondern ein klassisches Eigentor der seit Jahrzehnten von der Aufsplittung der linken Gesellschaft geschwächten Sozis. "Definitiv nicht mit der Linken" ist die wohl saudümmste Losung, die jemals von real existierenden Sozialdemokraten ausgegeben wurde.

Dies im Vorfeld des Urnenganges auszusprechen, war nicht nötig. Die SPD hat sich das Heft des Handelns und Taktierens wieder einmal ganz ohne Not selbst aus der Hand geschlagen.

Wer die neue Hoffnung der hessischen SPD im Wahlkampf beobachtet hat, dem ist sicher aufgefallen, dass Frau Ypsilanti zum Glück noch nicht so abgefischt ist, wie ihre führenden Kollegen in Wiesbaden, Berlin und anderswo. Wenn sie spricht, spürt jeder sofort die betroffene Mutter, die auch unter einem reaktionären Schulsystem leidet. Man nimmt es ihr ab, wenn sie über gesellschaftliche Erneuerung redet und ihr kühnes Energiekonzept muss nicht gleich im ersten Anlauf hinhauen. Wir glauben ihr, dass sie es ernsthaft versuchen will. Sie soll es probieren. Man nimmt ihr ab, was sie mundartlastig vorträgt. Gerade deshalb, weil sie nicht professionell und wachsweich daher salbandert, wie ihre herzlosen Kollegen. Weil sie stockt, nach Worten ringt und trotzdem nicht dumm wirkt, ist sie eine von uns.

Sie glaubt aber leider auch viel zuviel davon, was ihr die eifrigen Berater so zuflüstern und traut sich keinen eigenen Weg zu. Gerade in Hessen, wo mit der SPD des Holger Börner die Grünen erstmals in Regierungsverantwortung traten, verpasst sie die historische Chance der wirklichen Erneuerung der SPD. Ypsilanti stößt nach einem Sturmlauf an ihre Grenzen. Sie läßt sich an die Kandare nehmen und kuscht vor den Taktikern, die hintergründlich in eigener Sache vorgehen.

Obwohl sie Inhaltlich so viel Neues wagte, war ihre Taktik von den üblichen ängstlichen Beratern gesteuert. Und die haben nun mal in der SPD einen ganz irren Reflex, der sich mittlerweile zu einer profunden Geistesstörung auswächst: Die Linke ist für sie politisch nicht existent. Ach, hätte Frau Ypsilanti das doch mit ihrem eigenen Bauchgefühl durchgezogen. Dann stünde sie jetzt nach ihrem gefühlten Wahlsieg nicht als tragische Verliererin da. Doch nun, da die Linke entgegen dem perfiden Kalkül aller abgefischten Sozi-Souffleure endlich wieder im Parlament sitzt, wagen sich die Feiglinge in der SPD erst recht nicht daran zu denken, was mit der Linken möglich wäre.

Warum glaubte sie, dem Wahlvolk eine so stramme Absage in Richtung der Linken bieten zu müssen? Hätte eine indifferente Koalitions-Aussage, gespickt mit etwas Mutterwitz, nicht wesentlich besser ausgesehen? Damit hätte sie trotz aller scheinbarer taktischer Defizite politische Raffinesse signalisieren können. Wir könnten sehen, dass sie auch ein paar Tricks auf Lager hat. Da hätte der braune Suppenkoch der CDU ruhig blöken können, sie würde mit der Linken koalieren. Wer hätte diese Meldung überhaupt noch als Sensation wahr genommen angesichts der dunkelbraunen Sau, die der Koch da durch die Republik getrieben hat.

Und überhaupt, wer hätte ihr ein wenig Verschlossenheit übel nehmen sollen? Kein Mensch hat das Gesetz aufgestellt, dass eine Linke nicht an einer Regierung beteiligt werden darf. Das sind Menschen wie Sie und ich. Was soll diese alberne Ausgrenzung. Hier geht es um eine demokratische Regierung und nicht um ein Ehrenamt im Kindergarten.

"Ich mache dazu vor der Wahl keine Aussage", wäre doch eine perfekte Ansage gewesen. Und nach der Wahl wären wir jetzt alle froh, wenn Sie noch eine zusätzliche Option offen hätte. Jetzt steht die bescheuerte SPD schon wieder saudumm da und hat sich ins eigene Knie geschossen. Warum müssen diese linken Bauchmenschen so tun, als hätten sie die Taktik mit dem Kochlöffel gefressen? Damit haben sie bis jetzt immer verloren!

Das Volk sucht die geraden Typen. Nassauer und Trittbrettfahrer mit der geölten Zunge sind nicht mehr gefragt. Menschen wie Ypsilanti kommen an. Wäre die Koalitionsfrage jetzt noch offen, gäbe es viele Ansätze für Verhandlungen in alle Richtungen. Ist sie aber nicht mehr. Blockdenken herrscht vor und das führt zu Stillstand. Schade um die historische Chance, Frau Ypsilanti. Stillstand ist aber besser als Rückschritt. Davon hatten wir mit Koch mehr als genug. Also hat sich trotz allem schon was bewegt.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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