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Offener Brief des DBSH-Hessen (Deutscher Bundesverband für Soziale Arbeit e.V. Hessen. Ffm, 16.01.2008 (Abschrift) Aufhören oder Wer nicht hören will, muss gehen!! Herr Ministerpräsident Roland Koch, wir geben Ihnen recht. Menschen wie Sie, die der Sozialen Gemeinschaft schaden, haben umgehend das Land zu verlassen. Wir als Profis in der Sozialen Arbeit sind zutiefst empört und schockiert darüber, mit welcher Arroganz Sie als Ministerpräsident wiederholt eine offene und tolerante Gesellschaft in Hessen verhindern.
Zur Erinnerung: Es war Ihre Politik, welche 2003 über 30 Millionen Euro an sogenannten freiwilligen Leistungen gestrichen hat. Diese Gelder fehlen bis heute in sozialen Brennpunkten, Schuldnerberatungsstellen, Frauenförderprojekten, Ausländerintegrationsmaßnahmen, Arbeitslosenprojekten, Erziehungsberatungsstellen und anderen sozialen Projekten. Wir haben Sie vor vier Jahren gewarnt! Das Motto Ihrer Streichliste war klar und deutlich: Jeder ist seines Glückes Schmied – wer benachteiligt ist hat Pech oder ist gar selbst dran Schuld! Die Solidargemeinschaft stellen Sie zur Disposition. Wir haben Sie darauf hingewiesen, dass Ihr unkontrollierter Kahlschlag mittelfristig eine ansteigende Jugendkriminalität und Armut zur Folge haben wird. Diese kurzfristigen, hilflosen, panischen Sparbeschlüsse verursachen jetzt und in den nächsten Jahren soziale und gesamtgesellschaftliche Folgekosten, die die damaligen Einsparungen um ein vielfaches übertreffen werden! Aber das haben dann andere auszubaden. SIE WOLLTEN JA NICHT HÖREN! Dass Sie die brutale Schlägerattacke von Jugendlichen nutzen, um Minderheiten, um welche Sie sich nicht kümmern wollen, zu verunglimpfen, ist perfide. Sämtliche, auch Ihnen vorliegenden Statistiken, sagen etwas anderes. Wir fordern Sie daher auf, Ihre unwahren Aussagen zum Thema „kriminelle Jugendliche“ den Realitäten anzupassen. Wir müssen davon ausgehen, dass Sie mit der Vokabel „Kuschelpädagogik“ die Absicht verfolgen unseren Berufsstand in der Sozialen Arbeit zu diskreditieren. Unsere berufliche Tätigkeit ist alles andere als „kuschelig“. Definieren Sie Ihren Begriff oder unterlassen Sie es, ihn zu gebrauchen. Benennen Sie uns nur ein professionelles soziales Straffälligenprojekt in Hessen, auf das Ihre Vokabel zutrifft. Es ist Ihre Landespolitik, welche die Gymnasien in den Ausbauprogrammen zur Ganztagesschule bevorzugt und Grund- und Hauptschulen benachteiligt. Die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund im schulischen Kontext haben Sie zurückgefahren. Die Landesmittel für Horte, welche Unterstützung bei den Hausaufgaben und der Überwindung von Sprachdefiziten leisten, wurden von Ihnen gestrichen. Stattdessen bauen Sie auf Low-Budget-Angebote an den Schulen. Wenn Hilfen in der Schule ansetzen, so müssen diese von qualifizierten Kräften angeboten werden. Schulen sind zum Mittelpunkt adoleszenter Begleitung zu entwickeln, die neben Versorgungsangeboten auch Förderung anbieten. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind wie benachteiligte deutsche Jugendliche auch viel stärker als bisher in die Beschäftigungswelt zu integrieren, das gibt ihnen Perspektiven. Sie haben diese Projekte mit Ihrem Kahlschlag 2004 massiv beschnitten und abgeschafft. Sie haben es in den letzten Jahren versäumt, die Justiz so auszustatten, dass Strafverfahren gerade im Jugendbereich schneller vonstatten gehen. Eine Verschärfung des Jugendstrafrechts löst hier nicht ein Problem. Das Jugendstrafrecht bietet ausreichend Sanktionsmöglichkeiten gegenüber straffällig gewordenen Jugendlichen. Leider werden diese Möglichkeiten, die primär pädagogischen statt sanktionierenden Charakter haben sollen, selten ausgenutzt. Wir als DBSH-Hessen fordern Sie auf: Kümmern Sie sich um alle Ihre Mitbürger, statt Sie zu verunglimpfen. Fördern Sie integrative Projekte. Verbessern Sie die Lebenssituation von benachteiligten Jugendlichen und Familien. Nehmen Sie Ihre Kürzungen in diesen Bereichen zurück oder treten Sie ab. Hören Sie zu oder Hören Sie auf. Sie haben die Wahl. Mit verbindlichen Grüßen Christian Strickstrock (Sprecher des Landesverbandes) |