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Die Schöne und das Biest PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
21.01.2008

Das Biest lockt...Es herrscht Burgfrieden bei der Bruchköbeler CDU. Anstatt, wie dem Wahlvolk vor der Stichwahl versprochen, den Dissidenten Maibach aus dem Parteikörper zu entfernen, wird ein von der Kreisleitung verordnetes homöopathisches Schweigen praktiziert in der Hoffnung, dass die schöne CDU sich schon langsam an Maibach gewöhnen wird. Der Plan scheint aufzugehen.

Wie nicht anders zu erwarten war, hat sich die parteiinterne Empörung über den Alleingang des erzkonservativen Maibach mittlerwile bis hin zur Grabesruhe gelegt. Die Ansicht, dass eigentlich nichts Weltbewegendes passiert sei, macht sich breit in der Fraktion und es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass Michael Roth nicht nur sein Amt und seine Fraktion-, sondern endgültig auch seinen Ortsverband verloren hat. Der hat nämlich trotz aller intellektueller Selbstbeschränkung längst gemerkt: "Wir sind ja immer noch Bürgermeister!"

Der Bürger, so das bekannte parteieninterne Kalkül von Berlin über Wiesbaden bis hin nach Bruchköbel, ist eine nach Wahlen zu vernachlässigende Größe. Danach geht es eher um parteiinterne Karrieren, wobei in Bruchköbel die Karten jetzt völlig neu gemischt sind. Der Bürger wird Michael Roth schon bald vergessen haben. Damit vollzieht die Partei ganz ohne schädigenden Zwist den von Maibach und seinen republikanischen Beratern erwünschten Rechtsruck.

Das ist mit den assimilierten, konfliktscheuen, bibeltreuen Christen und anderen blassen Mitschweigern im Ortsverband auch wunderbar schmerzfrei zu machen. So gibt es keinen außer Michael Roth und vielleicht seinem Vasallen Hormelharry, der jetzt tatsächlich noch aufbegehren würde, um den politischen Meuchelmord von Maibach und seinen republikanischen Strippenziehern sühnen zu lassen. Jegliches Aufbegehren aber wird dem Abgewählten schon bald als schlechtes Verlieren ausgelegt werden. So wird er also keinen Vasallen mehr finden, der auch nur einen Cent auf ihn verwetten würde.

Warm anziehen können sich langsam auch die Grünen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die ersten gemeinen Spitzen aus der neuen Rechtsaußenfraktion des Stadtparlaments ihre Leidensfähigkeit auf die Dauerprobe für den Rest der Legislaturperiode stellen werden. Schließlich hat man jetzt mit dem Sitzfleisch des Siebenschemelswingers Hestermann auch wieder eine Mehrheit ganz ohne den grünen Pickel am Arsch. Glaube nur keiner, Roth würde jetzt plötzlich ganz ungewohnt Charakter zeigen und dem Rechtsruck seiner einst schönen CDU mit Selbstopferung durch Parteiaustritt wenigstens einen symbolischen Riegel vorschieben.

Besonders dumm wird, wie gewohnt, die SPD aus der Wäsche schauen. Ohne Aussicht auf eine Änderung der Mehrheiten wird sie in Bruchköbel zunehmend in der selbst verursachten Bedeutungslosigkeit verschwinden. Ihr Agieren während der Bürgermeisterwahl gilt im Ort längst als Signal politischer Ohnmacht. Opposition ist in Bruchköbel mittlerweile eine so schwache Veranstaltung, dass sich die CDU offensichtlich schon mit sich selbst streiten muss, um zu einer gefühlten politischen Auseinandersetzung zu kommen. Schaden wird ihr das nicht. Einem einfallslos agierenden, sozialdemokratischen Ortsverband kann man getrost schon mal den politischen Totenschein ausstellen. Mit der Empfehlung für den republikanergestützten Maibach als ihren Kandidaten für die Stichwahl hat die SPD ihn bereits selbst unterschrieben.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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