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Grantige, alte Männer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
06.11.2007

Das kleinere Übel"Hängt den Zwergenkönig!" So ähnlich schallte es wochenlang vor der Bürgermeisterwahl durch die Region. Ich bin auch der Meinung, wir hätten etwas Besseres verdient. Aber was zum Teufel, frage ich mich, soll am "VVV-Meister" Maibach besser sein, als an Roth?

Das kann mir da draußen immer noch keiner schlüssig erklären. Am wenigsten der Herr Maibach selbst. Auch nicht seine drei persönlichen Berater, die Rentnertriade von der dunklen Seite der Macht. Die Hardliner, mit denen er zusammen vor die Presse getreten ist. Wollen Sie, liebe Wähler, wirklich einen Bürgermeister haben, in dessen Ohr ein Herbert Gassen nach Deutschherrenart dunkle Soße schlabbert? Gassen der Rentner, der in einigen Internet-Artikeln namentlich zum Unterstützerkreis von Martin Hohmann gerechnet wird. Sie erinnern sich an Hohmann? Der ehemalige CDU-Abgeordnete, der nach seiner Neuhofer Rede selbst in der nach Rechts eher toleranten CDU nicht mehr gesellschaftsfähig war.

Herr Jesses, und was steckt wirklich im FDP-Wendehals G.J.Jesse? Ein enttäuschter Alter? Ein vom prallen Leben Vergessener? Ein Jolly-Joker mit dem unfeinen Fleck des Parteiwechlers auf dem Jackett? Er wurde jedenfalls nicht Stadtrat. Das hat ihn erbost. Auch er ist einer aus der düsteren Maibach'schen Altherren-Triade, die es den Jungen jetzt noch einmal richtig zeigen will.

Der dritte im schwarzen Bund um Maibach herum scheint Klaus Oswald zu sein. Das ist ein Altvorderer aus der CDU, der wohl pauschal was gegen die Jungen in der Partei zu haben scheint, Zumindest könnte man einen gewissen Jungenhass aus der unermüdlich polemisierenden Art seiner Leserbriefe heraus lesen. Verborgen im Dunkeln munkeln noch der Stadtbäcker und sein Sohn. Die haben wahrscheinlich am "Inneren Ring" noch einen alten Mietvertrag laufen, wo Herr Maibach jetzt ein Wahlbüro unterhält. Nun heiligt der Zweck die mehlstaubigen Stadtbäcker-Mittel.

Haben Sie schon einmal eine Ansprache von Herrn Maibach gehört, liebe Wähler? Nein? Ich auch nicht. Der Kandidat soll mündlich nicht so gut sein. Und das wenige Schriftliche seiner Kandidaten-Karriere erledigt wohl auch eher der Herr Gassen. Mit einer keifenden Leserbrief-Kampagne, hat der schon gezeigt, wohin das führt. Maibach plappert indessen munter das Stadtmarketing-Gesülze nach, ohne es in seiner konzentrierten Unverbindlichkeit überhaupt verstanden zu haben. Damit wir glauben, er habe so etwas, wie ein Konzept. Und was für Roth gut war, soll auch ihm was taugen. Doch gewiss ist an seinem Konzept nur Eins: "Roth muss weg!". Was danach kommt, weiß niemand. Nicht einmal sein Beraterstab. Er selbst am Wenigsten.

Statt dessen klopft er Sprüche ohne jede Substanz: "Vertrauen, Verlässlich, Verbindlich". Was soll uns das sagen? Die drei Wörter fangen mit einem Laut voller heißer Luft an, hören Sie das? "FFFFFFFFF". Die kommt von seiner billigen Werbeagentur. Kehren Sie die Aussage getrost um, liebe Wähler. Politiker vertreten erfahrungsgemäß eher das Gegenteil von dem, was sie verkünden. Also nix mit "VVV". Eher "MUU": Misstrauen, Unzuverlässig und Unverbindlich. "MUU" macht auch die Kuh. Dazu passt auch sein Unterstützer mit dem Wahlruf vom Lande, der Rentner Wilhelmi, ehemaliger Bauernflügel der CDU. Wir alle ahnen es, liebe Wähler: wenn man einem Bauern nur ansatzweise andeutet, dass man etwas von seinem Land kaufen könnte, unterstützt der sogar die Taliban.

"Zeige mir deine Freunde und ich sage Dir, wer du bist", spricht der Volksmund nicht zu Unrecht. Doch SPD und FDP empfehlen, trottelig traumatisiert vom ewigen Wahldebakel, einen völlig ungeeigneten Kandidaten. Das hat nichts zu tun mit den vorgeschobenen Gründen wie "Vertrauen" oder "Verlässlichkeit".  Es kommt mir eher vor wie das monotone Skandieren einer paralysierten Zombiegruppe in einem Trash-Movie: "Zerstört ihn, zerstört ihn...". Dabei gibt es momentan keine vernünftige Alternative zum Zwergenkönig. So tief sind wir gesunken. Ach, wenn sich doch die Maiskönigin zur Wahl gestellt hätte!

"Was tut der Grinser für die Jugend?", werdet ihr fragen. "Warum haben nicht wir das Kino, sondern die in Nidderau? Wer ist verantwortlich für den Einzug der Systemgastronomie in der Römerstraße? Es wird nie einen Baumarkt in Bruchköbel geben! Wir haben eine Mückenplage durch die Ringmole. Funkmasten machen Krebs bei besorgten Rentnern. Der freiwillige Polizeidienst verteilt Knöllchen - keine Sicherheit. Was soll eine Armenhaussiedlung inmitten schöner Bürger-Villen?" Die Liste der Roth'schen Fehltritte kann beliebig fortgeführt werden. Darum geht es aber am Sonntag nicht. Es geht um Roth oder Maibach!

Erwarten Sie etwa von Maibach eine aufgeklärte Jugendpolitik, politisch ambitionierte Begegnungen auf Landesebene und gewandte Bewegung auf gesellschaftlichem Parkett zum Wohle unserer Stadt? Sie ahnen es schon: Das können wir in den nächsten sechs Jahren voll knicken mit diesem Handwerker an der Spitze der Gemeinde. In der Art hölzern, eher verschlossen mauschelnd und auf alle Fälle mit den falschen Beratern unterwegs weiß der Mann nur, was gut für ihn selbst ist. Und zum Schluss wird es neue Parkbänke in Bruchköbel hageln. Die übliche Gabe dieses Bürgermeister-Kalibers an sein Wahlvolk. Dazu gibt es fröhlich Blasmusik für eine schunkelnde Rentner-Riege und Freibier zur Betäubung derer, die den Stillstand im Kopf nicht aushalten. Wer, ausser ewig Frustrierten, kann das wirklich wollen?

In dieser Situation brauchen wir eher Roth als rabenschwarz. Lieber den Juristen, der sich aus reinem Selbstschutz stramm nach den gesetzlichen und parlamentarischen Vorgaben ausrichtet. Das mag zwar oft ziemlich stur rüberkommen, ist aber im Prinzip unter "Verlässlich" abzubuchen. Roth kann auch mit lockerer Zunge all die Plattitüden verbalisieren, die das Amt so fordert. Nicht zuletzt strahlt er im Gegensatz zu Maibach's steckesteifer, gezwungener Interpretation von Lässigkeit eine mehr jugendlich, frische Haltung aus. Eine Art, die uns zumindest noch hoffen lässt, er könnte bei unserer Jugend vielleicht doch noch was dazu lernen. Er ist bei der Wahl, die wir nun leider haben, das kleinere Übel.

Noch was: Ich persönlich brauche einen, dem meine Artikel zuverlässig weh tun! Das ist bei einem selbstgefälligen Schweiger nicht zu erwarten, weil der eh nichts merkt. Dem müsste sein Schreibknecht Gassen zunächst erklären, was ich geschrieben habe. Das macht keinen Spass. Auch deshalb wähle ich Michael Roth und rufe von heute bis Sonntag Abend ganz ungewohnt: "Hängt die alten Säcke - Es lebe der Zwergenkönig!"

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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