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Der (Fast-) Auslandskorrespondent des Bruchköblers berichtet exklusiv aus der Stadt, in der Autos in Brand gesteckt und Jugendliche aus Prinzip wie Schwerverbrecher gehandhabt werden. Als geborener Hanauer, weit weit im Norden (ohhh ja...), fühle ich mich dazu berufen, als (Fast-) Auslandskorrespondent für den Bruchköbler zu fungieren.
Seit gut einem Jahr in Hamburg wohnhaft hatte ich jetzt schon oft Gelegenheit, mir diese Hanseaten ein bisschen genauer anzusehen und ja, an alle die es wissen wollen, die Tendenz zum Stock im A.... ist schon recht hoch, vor allem in Eppendorf, laut irgendeiner blöden Broschüre das "gelbe vom Ei" in Hamburg. Aber egal, ich schweife ab. Mein eigentliches Anliegen, diesen Artikel zu schreiben, liegt nicht darin, auf dem hohen Norden rumzuhacken...Ich habe mir ein anderes Opfer ausgesucht. Dazu folgende Geschichte: In der Nacht von Sonntag auf Montag war ich mit einem Freund nachts unterwegs. Um ungefähr zwei Uhr wurden wir von einem Streifenwagen auf einer Treppe drei Häuser von einer Tankstelle mitten in Eppendorf Chips essend und Cola trinkend angetroffen. Drei Polizisten stiegen aus und wollten direkt erst mal unsere Personalausweise sehen. Vorbildliche Bürger, die wir nun mal sind, haben wir ihnen sofort unsere Ausweise gezeigt. Der Rucksack meines Freundes fiel den Bul...-äh den Polizisten aufgrund eines kleinen, daraufgemalten A's mit einem Kreis darum sehr negativ auf - und wurde natürlich sofort ausgiebig untersucht, auch nachdem man festgestellt hatte, das es sich um einen harmlosen Schulrucksack handelt (aber die haben schon recht, hätte ja auch 'ne Bombe drin sein können, man weiß ja nie). Auf unsere Frage, wie wir es denn zu der Ehre brächten, so gründlich gefilzt zu werden, bekamen wir nur die Antwort, dass in der Nacht "etwas" passiert sei, was mit dem G8 Gipfel zu tun hätte. Auf weitere Fragen bekamen wir nur noch geheimnisvollere Auskünfte zu hören, ganz wie in diesen tollen Fernsehserien, wo die Polizisten immer gut aussehen und ein Gehirn haben...(das man voraussehen konnte, dass jeder am nächsten Morgen in der Zeitung lesen könnte, das irgendwelche Spinner ein Auto angezündet hat, schien die gar nicht zu stören, die haben sich anscheinend viel zu wohl in ihrer Geheimagentenrolle gefühlt). So weit so gut, bis dahin war meinerseits kaum etwas am Benehmen unserer Ordnungshüter auszusetzen, vom anscheinend leider chronisch - mangelnden Respekt gegenüber Leuten, die keine Polo Hemden oder Armani Anzüge tragen, mal ganz abgesehen. Als einer der drei aber anfing unsere Personalbeschreibung notieren und kurz darauf dieselbigen per Funk ins Hauptquartier schickte, war ich schon relativ perplex.... ...ich meine, von mir aus können unsere Freunde in Grün (bzw. jetzt ganz modern in blau) gerne alle Leute nach 12 Uhr abends auf der Straße kontrollieren. Es bestreitet ja niemand, dass die meisten davon nicht nur edle Motive haben. Aber das Lustige ist, das irgendwie nur Jugendliche dem Kontrollzwang zum Opfer fallen, und sowieso: eine Täterbeschreibung ohne Tat?! Nachdem sich unsere besagten Freunde also davon überzeugt hatten, dass wir als „schwarz und eher bequem gekleidete Jugendliche“ hervorragend in die Szene, aus der sich kleine Autobomber und andere Terroristen herausrekrutieren, hereinpassen, verabschiedeten sie sich noch höflich und schauten kurze Zeit später noch mal vorbei um zu checken, ob wir nicht doch noch ein Auto angezündet haben. Ein ganz kleines hätte ihnen bestimmt gereicht, da sind die glaube ich nicht so wählerisch. Jaja, ich weiß, dass es nur deren Job ist, aber die Passion, mit der sie den manchmal erledigen, erstaunt mich mitunter doch...oder eigentlich doch nicht, bei genauerer Betrachtung ist er ja echt ganz entspannt, oder nicht? Ich meine, nachts in einem dicken Mercedes durch die Gegend heizen, dabei kleine Jungs hopsnehmen und denen ein bisschen Macht demonstrieren... Ich glaube, ich werde auch Polizist, Herr Schill hat ja einiges dafür getan, dass man sich als Uniformträger in Hamburg ganz wie zuhause fühlen kann. Als Jugendlicher leider nicht. Aber das ist ja nicht so wichtig. Wir zahlen keine Steuern. Wir dürfen nicht wählen. Würden wir eh nicht machen. Wir sind ja links. Das hört sich vielleicht übertrieben an, aber genau zwei Tage später hatte ich Gelegenheit, meine These zu überprüfen. Fast dieselbe Situation, nur leider waren im Rucksack keine Schulsachen drin, sondern Spraydosen. Da war dann Schluss mit Lustig. Knarre ins Gesicht - Gesicht auf den Boden und ruckzuck die Hände auf Acht - so durften wir erst mal ne halbe Stunde liegen bleiben, bis O-Ton „langsam, gaaaanz langsam...“ alle Beweismittel gesammelt waren und alle anderen, an der Jagd beteiligten Streifenwagen ankamen (ob’s 4 oder 5 waren weiß ich nicht genau, Zivis waren auf jeden Fall auch am Start), um uns dann einzeln, ganz auf Schwerverbrecher, in U-Haft zu bringen. Jetzt weiß ich übrigens, dass man mit Handschellen nicht so gut schläft. Die kneifen ganz schön ins Handgelenk; aber trotzdem lässt man die vorsichtshalber in der Zelle noch an (genau, immer wachsam!). Bei der Ganzkörperuntersuchung war es dann leider unumgänglich, mir meine schicken Armbänder abzunehmen. Ich will nicht vom Hundertsten ins Tausendste, diese Nacht hat mich auf jeden Fall gelehrt, dass 90% aller Bul...-äh Polizisten total verunsicherte Typen mit sooooo einem großen Minderwertigkeitskomplex sind. Sie brauchen aufgrund ihrer zu kleinen Knarre zwischen - zur Kompensation eine große neben den Beinen. Die genießen das richtig, solchen Querulanten Stress zu machen. Blöd nur, wenn die sich keinen Stress machen lassen. Und auch mal ’nen dummen Spruch kontern. Aber egal, dann lässt man sie einfach länger in der Zelle sitzen. Die Polizei lässt doch nicht mit sich spaßen. Vor allem nicht jetzt, diese G8 Geschichte scheint für die Polizei eine Prestigefrage zu sein. Ob die es schaffen, alle suspekten Subjekte noch vor dem Gipfel einzulochen? Da wünscht man sich nur eines - ein ganz kleines bisschen Bambule - ob auf den Mauern der Hamburger Hochbahn, auf nicht genehmigten Demos, doch vor allem im Kopf. Autos anzünden ist definitiv für’n Arsch, aber der Gedanke ist richtig, nämlich ein Signal zu setzten, dass man auch verstehen kann, ohne allzu helle zu sein, stimmt’s Ole? |