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Ich komme von einer Tour. Sieben Tage lang bin ich gefahren. Hinter mir liegt der Bodensee und vor uns die Heimat. Der Wagen brummt gleichmäßig wie ein Flieger. Vor der Jagsttalbrücke frage ich den Tower, ob ich auf 547 Meter gehen darf.
„Roger“. Die Erlaubnis ist erteilt. „Volvo 745 GL over and out!“ Der Motor summt schon so lange monoton im Bass, dass es mich fast einlullt. Er dreht konstant auf 3000 Touren. Die Sonne ist eben untergegangen und die Nacht ist mit einem Rest vom Schein des Tages schon da. Planeten und Sterne stehen klar im schwarzen Teil des Himmels. Eine bekannte Landschaft zieht am Faden dahin. Meinen 7-Tagebart kratzend, frage ich mich: „Will ich eine Zwischenlandung einlegen?“ Keine zehntel Sekunde darauf entscheide ich: „Rast!“
Nach der Rottachtalbrücke von 705 Meter hinunter segelnd sage ich angesichts eines vorbeifliegenden Zeichens: „Es ist bald soweit!“ „Illertal Ost, Volvo 745 GL ruft Illertal Ost. Wir bitten um Landeerlaubnis!“ Ich rufe mit sonorem, etwas nasalem Tonfall in die Nacht hinein. Kurz darauf leite ich die Landung ein. Sitz in aufrechte Position. Klare Sicht nach allen Seiten. Gut, hinten sind wir ein bißchen blind. Was erwartet man schon nach sieben Tagen? Da, die Landesignale! Großes blaues Schild mit weißem Rand. Lichtzeichen rechts einleiten. Routiniert checke ich mich an den Barken vorbei durch die Landeprozedur. Erst zum Auftanken. Die Maschine geht vor. Da sehe ich die Raststätte und sie saugt mich an!
Ich denke: „Moment mal, da bleibe ich doch lieber erst mal in Warteposition!“ Auf knirschendem Reifen gleiten wir in die Parkbucht. Gute Sicht auf das ganze Objekt. „Maschine stop!“, sage ich und stelle eine Bugklappe aus. Die Füße draufgelegt bestaune ich das seltsames Objekt. Der Verkehr tost hinter mir in einiger Entfernung vorbei. Ab und zu geht ein Fahrzeug langsam in eine der Parkpositionen. Weil ich mich nicht einkriegen kann, was ich da sehe, beibe ich sitzen und staune. Da sich der erste Taumel aber langsam legt, gehe ich die Sache behutsam an. Die Maschine summt noch in meinem Kopf und am Himmel sind leichte Wolken aufgezogen als ich mich mühsam aufrichte. „Jetzt gehe ich da rein!“, sage ich zu meinem Fahrzeug und stakse steif in Richtung Objekt.
Plötzlich kann ich mich nicht orientieren. Ich muss entscheiden, ob ich hier hoch- oder runter gehen will. „Ich bin ein ganzer Mann, ein unerschrockener Flieger! Doch was jetzt?“ Um nach so einem aufreibenden Trip vollkommen klar im Kopf zu werden, braucht es sicher nur einen Plan. Doch es gibt niemanden außer mir in der Raststätte. Nur der Gasaustauscher summt so laut vor sich hin, dass der Verkehr von draußen nicht mehr zu hören ist. Seltsam! Ich beschließe, mich ganz normal zu verhalten und nach Zeichen zu suchen, die mich führen würden.
Was tut man zunächst in einem normalen Rasthaus? Klar Pipi machen! Wo mag das hier wohl sein? Natürlich dort, wo es immer ist: Im ersten Stock! Also aufwärts gehen. Oben in der Halle, auf der Brücke leicht taumelnd, entdecke ich Schlafkojen für durchreisende Alien. Warum wundere ich mich eigentlich nicht darüber? Den Zeichen folgend, bei den Toiletten angekommen, wird der Schwindel in meinem Kopf etwas stärker. Ich sage zu mir: „Das ist nur eine ganz normale Raststätte, die etwas anders aussieht!“ Dann betrete ich aber den Waschraum und finde auch ein Waschbecken mit Spiegel. Bis dahin scheint alles zu sein, wie es auch zu erwarten ist. „War es in Wirklichkeit etwa ein Raumflug?“, beschleicht mich ein ganz perfider Gedanke. „Oder kam es zu einem Zeitsprung?“ Ich muss plötzlich grinsen.
Angesichts all der fremdartigen Anmutung um mich herum beschließe ich, nachher im Fahrzeug die Instrumente zu überprüfen. Dann aber vergesse ich mein eigentliches Anliegen. Unwillkürlich finde ich mich in einer Untersuchung der Entsorgungseinheiten wieder. Ich überprüfe, für welche Art von Anatomie diese Automaten gebaut wurden. Nach der Erforschung der gesamten, fremdartigen und doch so vertrauten Anlage stellt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit heraus, dass sie für eine Lebensform mit dualer Ausscheidung gebaut worden sein muss. Es könnte sich hier allerdings auch um einen Planeten mit zwei verschiedenen Lebensformen handeln. Da bin ich mir jetzt noch nicht ganz sicher. Ich bin immer noch keinem der Wesen begegnet. |