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Wetterkapriolen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
18.03.2007

It's Always The WeatherDas Wetter war immer wichtig. Der Bauer schaut seit Jahrtausenden hinauf in den Himmel und der Rest der Welt redet sowieso über nichts anderes. Wetter ist immer ein Thema.

Das Thema! Wir haben es damit, seit ein paar Affen vom Baum gestiegen sind. In jeder Kneipe hört man: „Was'n Wetter.“ Wir lesen jetzt sogar vermehrt von Unwettern. Monsterwellen. Killerstürme und Mörderbienen. Gletscher schmelzen, Eisberge brechen ab, der Meeresspiegel steigt. Und die Villa am Hang in Spessart-Randlage soll bald eine Strandfrage sein. Süßwasser wird knapp. Wegen dem Wetter. Verteilungskämpfe drohen und sogar Armageddon erscheint möglich. Das jüngste Gericht. Für Letzteres kann das Wetter aber nichts. Das macht der Killerkomet. Da fällt uns der Himmel auf den Kopf.

Wetter bewegt das Gemüt der Menschen seit Anbeginn. Und wir bewegen das Wetter. Mit Emissionen, lesen wir. Und ein paar Menschen lesen das jetzt sogar am Liebsten. Der Politik kommt das Wetter, wie gerufen. Da ist kaum ein Wasserpegel, der nicht mindestens auch nationale Dimensionen beinhaltet. Global ist das Meer auf dem Vormarsch. Die Arktis, el Niño und der Golfstrom bereiten uns Sorgen. „Kann in der Nordsee ein Tsunami wüten? Ist das realistisch?“ Das Forschungsinstitut eines Wasser- und Schiffartsamtes vermeldet: „Ja, alle 5000 Jahre ist das durchaus zu erwarten.“  

Nun gehen sie endlich ernsthaft politisch auf eine der ältesten Sorgen der Menschheit ein. Das Wetter! Das Thema ist in den Agenden der internationalen Tafelrunden ganz oben aufgehängt. Wir können neuerdings sogar mit dem amerikanischen Präsidenten darüber reden. Ja, da steigen jetzt die hartleibigsten Kandidaten für Nullrunden und Nichtratifizierung mit ein. Er beurteilt das mit dem Klima sehr positiv. Wo früher ein klares Nein zum Wetter jede weitere Frage erübrigte, findet man sich heute in Sondierungsgespräche ein und signalisiert ernsthafte Absichten. Sogar rotchinesische Kapitalisten haben das Thema für sich entdeckt. Bis zur Olympiade in Peking will die Junta ihre Parteitage dafür nutzen, das Wetter so erträglich zu machen, wie irgend möglich.

Was ist heute eigentlich anders als früher? Warum reden ausgerechnet diese Leute jetzt so viel über das Wetter? Weil es ein ganz natürliches Thema und von Allgemeininteresse ist. Einfach, kosmopolitisch und unwägbar. Es kommt von alleine und kostet die Parteikassen nicht einen Kreuzer. Das Klima ist so beliebig, wie die Natur der modernen Politik. Damit kann vom real tobenden Verteilungskampf um Gas und Öl abgelenkt werden. Seit Jahren verbluten Menschen in den Schürfgebieten. Dort, wo die Politik schmutzige Kriege um Ressourcen aufgeklärten Bürgern kaum mehr als Kampf gegen das Böse verkaufen kann, kommt das Wetter wie gerufen. Da werden sie plötzlich umtriebig. Zeigen Einsicht und Verständnis. Hauptsache, wir vergessen dabei langsam die anderen Schweinereien. Das Wetter gehört allen - das Öl nur ganz wenigen.

Würden Sie in Ihrer Familie tote Kinder, Brüder und Schwestern akzeptieren, weil ein paar Petro-Gesellschaften noch reicher werden sollen? Bekommen sie vielleicht was ab, vom Kuchen? Nein. Der Dienst am Vaterland ist Tribut für die Freiheit. Doch es sterben nicht nur Soldaten gewaltsam bei jedem Wetter. Und dafür gibt es nicht mal eine Entschädigung. Man kann sich zwar gegen Wetterschäden versichern, doch die Prämien werden immer höher. Wir sollen jetzt auch noch die Freiheit opfern.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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