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An einer blauen Zapfsäule gibt es jetzt Sprit in Formel-Eins-Optik. Ein original Boxenstop-Querbügel auf der insgesamt verbreiterten Einfüllspritze lockt zum zweihändigen Griff ins Absurde. Für einen deutlichen Aufpreis auf die Literkosten sollen dem Formelstöffchen 10 Prozent mehr an Leistung zu entlocken sein. Da steckt mehr dahinter.
Der Griff zwischen die Beine des männlichen Kosumenten ist ein alter Hut. Und im Produktdesign sicher nichts Ungewöhnliches. Auch die neuen Automobile bieten mit einer speziellen Optik eher wohliges Gefühl zwischen den Muskeln, als wirkliche Innovation im Design. Die aufgeblähten, raffiniert gefalzten und verrundeten Karossen erinnern ganz verblüffend an das Zentrum von Kriminalität und Korruption „Gotham City“. Für die Schwestern aus dem „Tal der Ahnungslosen“: Das ist die Stadt in der „Batman“ der Fledermausheld aufräumt. Durch die zunehmende Neo-Gotik wird unser reales Straßenbild der Zwischenwelt aus dem Groschenheftchen immer ähnlicher. Waren nun der Comic-Autor Bob Kane und sein Zeichner Robert Finger in den 30-ern des 20. Jahrhunderts geniale Visionäre oder versteigen sich heurige Designer eher im altbewährten Plagiat als im schöpferischen Risiko?
Die Optik stimmt! Da werden ein paar Formteile getrimmt und die Welt erscheint, wie im Comic. Goutieren sie mit mir die neuen Linien eines Münchener Schnöselmobils. Die Klein- und Mittelschnösellinien Dreifünf warten mit extrem ausgestellten Falzungen auf, die auch ein bayerischer Ingenieur nur noch unter Not mit der Form erklären kann, die der Funktion folgt. Die Fahrer hinter dem weißblauen Propellersymbol steuern neuerdings so etwas, wie das „Batmobil“. Also Vorsicht mit dem Stinkefinger!
Und ein Franzose treibt Design ganz traditionell auf die Spitze. Bis hin zur optischen Täuschung. Der Hersteller mit dem watschelnden Federvieh in der Produkthistorie hat mir mit einem neuen Modell der Kleinstklasse kürzlich einen unverhofften Kick in ´s Surreale verschafft: Plötzlich sehe ich vor mir ein Automobil das aussieht, als würde es von einem Riesendaumen hinten runtergedrückt. Nur stand es vorne nicht hoch. Absurde Magie im Verkehr! Das hat in dem Moment extrem vom Wesentlichen abgelenkt. Ich nenne es jetzt den „gefährlichen französischen Griff“ (gfG-Point).
Die Entfesselung der Freiformfläche in Material, Design und Produktion wirkt sich in unserem Alltag mittlerweile gigantisch aus. Und ehemalige Heftchenleser sind ja, nun erwachsen, schon lange in formgebenden Positionen. Da sich Material und Technik nach den großen Innovationen der letzten Jahre fast vollkommen ihren Vorstellungen anpassen lassen, erübrigt sich die Frage nach der visionären Kraft der Autoren von „Batman“. Das Werk der Automobildesigner ist eindeutig ein zurückgreifendes, den Idealen ihrer Jugend entsprechendes. Und wo greifen sie mit diesen phantastischen Möglichkeiten nun genau hin? Na dahin, wo ihr Hirn sitzt! |