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Ein Fest jagt das andere in Dawillichleben, doch die Säufernasen sind immer die Gleichen. Die kindische Politik sowie das belanglose öffentliche Leben stimmen mich zunehmend befremdlicher und ich frage mich immer öfter, ob diese unbedeutende Zusammenrottung selbstzufriedenen und selbstgerechten Bürger- und Bauerntums es wirklich wert ist, mit meiner Aufmerksamkeit geadelt zu werden.
Nicht zu vergessen die Massen der drögen ostpreußischen Nachkriegsmigranten und die langweiligen Produkte ihrer faschistoiden Erziehung. Eben all die, die in dieser Stadt ihren Lebenssinn darin sehen, bloß nicht aufzufallen und ja keinen Fehler zu machen. Die, die satt geboren wurden, um anklagend mit dem Finger auf die zu zeigen, die kaum jemals eine Chance hatten, sich aus dem Elend heraus zu kämpfen. Dabei haben sie niemals auch nur den Hauch des Besonderen verströmt, oder haben jemals für ihren Unterhalt wirklich kämpfen müssen. Sie kennen keinen Hunger und waren niemals selbst bedürftig. Sie haben sich einfach nur genommen, was in ihren Schoß fiel. Dieser Ungeist trieft ganz besonders in Bruchköbel-Dawillichleben aus jeder Ritze! Das sind nicht die Menschen, die wir brauchen für eine dringend benötigte heitere Gelassenheit, die in uns ein ausgeglichenes urbanes Gefühl aufkommen lässt. In Frankfurt, in der Bergerstaße sahen wir vergangenes Wochenende am hellichten Nachmittag ein junges, schwules Pärchen selbstvergessen in Glückseligkeit knutschen. Kein Mensch auf der überaus belebten Prachtstraße des Quatiers störte sich an der Szene. Da sagte ich zu meiner Frau: "Stell dir das mal in Bruchköbel vor!" Wir sahen uns an und lachten prustend in den sonnigen Nachmittag. Dabei ist es nicht zum Lachen, was in diesem Fall in Bruchköbel-Dawillichleben los wäre! Es muss wohl das Alter sein: Da bin ich jetzt schon Großvater und Großonkel und trotzdem halte ich mich Stunden mit völlig überflüssigen Betrachtungen auf, während eine gute Portion Leben ungenutzt an mir vorbei rauscht. In Dawillichleben sehen übrigens selbst schon die jungen Leute alt aus. Doch der roth'sche Hofstaat lässt unbeeindruckt bunte Feste inszenieren und schwache Nichtigkeiten als Erfolge ausrufen. Das blasse Volk goutiert es und geht Sonntags nach der Kirche vollkommen betäubt vom Locken seines Zeremonienzwerges einkaufen. Das thrillt die kreuzbiedere Vorstadtseele der Bruchköbeler offenbar total. Wegen der keifenden Kirchenmänner vielleicht? Einkaufen am Sonntag bietet dem einfach strukturierten Gemüt des typischen Dawillichlebener Bürgers tatsächlich mehr für's Geld. Ob es nun der finale Akt von Säkularisation oder einfach nur eine Zwerg-Mogel-Packung ist, einerlei! Spaß scheint es auf alle Fälle zu machen. Leider bringen die vielen Feste auch überflüssigen Radau in Form von schlechten Musikern, gröhlenden Säufern und sonstigen Betriebslärm in die sonntägliche Innenstadt. Für die Anlieger ist das eine arge Belästigung, mit steigender Festrate in zunehmendem Maße. Aber das Opfer bringt man doch gerne mal für einen Wohlfühltag des heimischen Gewerbes und seine unterbelichtete Kundschaft. Das ist ein Akt aktiver Nächstenliebe. Wir haben ein Herz für die Schacherer und Dummen. Insofern bin ich jetzt auch schon ein echter Bruchköbeler, oder? Was für ein grottiger Abstieg! |