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Poppt Zuckermais? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
25.10.2006

Die KrönungszeremonieDie Ereignisse rasen an mir vorbei. Kaum hab’ ich den Mund aufgemacht, um mich zu einem absurden Vorfall zu äußern, passiert schon die nächste Schote in der Stadt. Wahlen, Stadtrat, Streit und Beschwichtigung. Trennung, Koalition, Abwahl, Mobilfunk und immer wieder der Stadtschrat. Da kommt Schwindel auf, und es stellt sich Sprachlosigkeit ein. Aber jetzt muss es raus!

 

Beim Versuch zu begreifen, was da eigentlich alles passiert ist umkreisen mich die Gedanken wie lästige Fliegen: Wahlen, Wahlen, um Gottes Willen Übertritte, Streit und eine Abwahl. Es ist soweit, die Welt wird mir zu schnell. Doppelhaushalt - Mogelpackung? Sprachlosigkeit! Es muss das Alter sein, das da an meine Türe pocht. Dann poppt auch noch eine Zuckermaiskönigin mit dem Namen Keim in mein Leben, während ein Taxifahrer mit dem Namen Ringel Stadtschrat wird. Nomen est omen. Karl-Winfried wiederum, der Staatssekretär Seif ist mit abweisend verschränkten Armen schweigend in die Krönung der Zuckermaiskönigin vertieft, während Bürgerblender Roth über das Mikrofon hinweg heimlich in sich hinein grinst.

 

Zweifel, Langeweile und Ratlosigkeit...Und weil die Königin auf dem ziemlich peinlichen Pressefoto gerade genau so ratlos erscheint wie ich, frage ich mich: „Warum gibt es eigentlich keine Mais- und Kürbisparade in Dawillichleben?“ Und: „Wo ist der Zuckermaiskönig? Die Majestät muss einsam sein in ihrem gelb-grünen Palast aus Kolben und Blättern!“ Langeweile furcht sich neben der Ratlosigkeit in ihre royalen Gesichtszüge. Sie braucht doch mindestens mal einen güldenen Festwagen, auf dem man die Durchlauchte an ihrem glücklich taumelnden Volk vorbei trägt. Ach, wie ist das alles dürftig vorbereitet. Billig, ganz billig!

 

„Haltet aus, holde Majestät! Hilfe ist nicht weit entfernt.“ Lebt da nicht in der schönen Krebsbachaue eine Sekte amerikanisch gesteuerter Christenmenschen? Es müsste bei solch göttlichen Beziehungen in das Mutterland der überflüssigen Paraden ein Leichtes sein, den ultimativen Zuckermaiszug für Ihro Durchlaucht Plaisir auf die Beine zu stellen. Und dann, ja dann tragen wir natürlich den König in die Stadt. Hei, was für ein Spaß! Aber nur, wenn ich der König sein darf. Also salbt mein Haupt und reicht mir einen Schlepper. Damit die Durchlauchte Keim nicht rumzickt, fahre ich zunächst mal eine gekonnte Furche in den nächsten Acker. Imponieren ist schließlich der Königsweg zum Weibe!

 

Was sind denn das für Idioten hier in Dawillichleben???Diesen Staatssekretär darf man zu meiner Krönung aber nicht einladen. So einen verschlossenen Typen wie Karl-Winfried Seif verbitte ich mir, wenn es wieder durch die Gassen schallen soll: „Krönt die Majestät!“ Der Mann soll ein Problem mit Pleiten und Arbeitsplatzverlusten in Nordhessen haben. Irgendein Amigo-Syndrom im dunklen Wald. Na, zumindest sieht er ganz danach aus. Okay, und ich bin verheiratet und rauche. Zugegeben, ich passe auch nicht so ideal zum mondänen Zuckermaisstaat des Zwergenkönigs von Dawillichleben. Da muss ein anderer ran! Aber man darf doch wenigstens mal träumen, wenn die Realität einem schon so dermaßen blöde daherkommt, oder?

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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