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In Bruchköbel gärt es. Das Blubbern dringt bis in meine Stube und es handelt sich dabei nicht um das in Walters’ Saftcontainern. Auch nicht um das sanfte Blubbern eines friedlichen Schnarchers im Rathaus. Damit wir das nicht falsch verstehen: Es gärt im Sumpf.
Ein während des Kommunalkampfes so eilig, wie oberflächlich befriedetes NzHH-Schwadron (Nein zu Harald Hormel) stochert nicht mehr im Trüben. Jetzt geht es um den Bürgermeister. Ein so nicht gewolltes Wahlergebnis - bei den Grünen kam Freude auf, kurze nur bei der FDP und alles wie gehabt bei der SPD - hat in Dawillichleben dazu geführt, dass der Dzionysche Posten nach dem Urnengang sofort wieder auf die Tagesordnung kam. Er sollte an die Grünen fallen. Ausgeheckt hat die kleine Sensation der CDU Fraktionsvorsitzende Günter Maibach. Das ist ein Mann mit eigener WebSite im Kommunalkampf. Der CDU Fraktionsführer wurde von seinen Brüdern und Schwestern in der Liste ganz nach oben katapultiert, nach grandiosem Wahlkampf in eigener Sache. Maibach ist der Mann, der bei den innerparteilichen Grabenkämpfen vom rebellierenden Fraktionsflügel als Gegenkandidat Harald Hormels positioniert wurde. Ein Mann, der auch sieben magere Jahre locker überstehen kann, in der versorgungsgeilen Hormel-Ringel-Klasse? Das passt nicht! Für diesen konservativen Solitär konnte sich sogar die Tante FDP erwärmen. Er ist die Bremse, die gegen Roth’s Kandidatencoup im Stadtratpoker griff. Günter Maibach ist Macher. Einer, der gottbescheiden nach Höherem greift, mit langfristiger Strategie und breiter Brust. Aber Stadtrat kam in seiner Familienaufstellung nie vor. Nach der Schlammschlacht ist vor der Schlammschlacht. Angesichts der nun als instabil zu betrachtenden Position Michael Roths wurde die Fraktionsleitung zum Brückenkopf der eigenen Ambitionen. Maibach wird Bürgermeister werden, wenn die evangelikale Reaktion in der CDU die Mehrheit behält. Unsere Leser kennen Dawillichleben, den Bibelgürtel im Sumpf nördlich von Südhessen, in dem die Deutschlandfahne vor der Haustür flattert. Lange bevor sie Fanartikel wurde, schon stramm im Wind knatterte. Der Landstrich im Bruch, wo zähe Ideologen zum Bibelstudium Choräle singen und sie eine Zuckermaiskönigin küren zur Lobpreisung des Gottes Mammon und der Heimat. Natürlich auch zur Freude der Herren. Es ist der Sumpf, aus dem sich im Rahmen der CDU-Flügelkämpfe auch enttäuscht der Herr Jesse zu flüchtiger Prominenz heraus gezogen hat. Jesse? Na, der CDU-Überläufer, der nun bei der Tante FDP die Teekränzchen aufmischt und mit Major Siebenstuhl über die Reformation der Weltordnung schwadroniert. Alles nur Konservative? Es sind die Haudegen der CDU. Alte deutsche Männer, gedörrt mit Schrott und Korn. Zähe, ehrgeizige Burschen, die schlau lauernd am Rande der finalen Bedeutungslosigkeit vor'm Altenteil noch einmal kräftig auf den Tisch hauen und den Eisenbeisser geben wollen. Sie benutzen als Mehrheitsvehikel die evangelikal gesteuerten Gottesanbeter, die jedes Jahr auf's Neue ihre Grundwerte suchen. Die alten Männer agieren im Wesentlichen gegen die ideologiearme Pragmatik einer Jugend unter Fünfzig. Das wird jetzt aber zu tiefgründig. Nennen wir es den Sumpf: einst Skaterbahnen wie Jugendknast und immer Knüppel statt Pädagogik. In Amtskirche und Vereinen die Made im Speck. Blasmusik bis hin zum Erbrechen, Ausländer wenn überhaupt, dann nur hellhäutig und mit Geld. Herr erbarme dich unser! Wer diesen Sumpf jetzt haben will, hält sich an Senior Günther Maibach, frisch emeritierter Unternehmens-Patriarch mit gaaanz viel Zeit. Der Eisenfresser hat im Moment die gesamte evangelikale Bruderschaft im Rücken. Auf diese Art CDU kann sich der rechte Flügel Gottes verlassen. Alles ist besser als die alten Kracher mit ihren klerikal gesteuerten Brüdern und Schwestern. Glaubt es, Bürger! |