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Na denn Prost und geruhsames Feiern Herr Bürgermeister. Wir haben Sie im Bruchköbeler Kurier kaum gefunden, in den vergangenen Monaten. Ganz unscheinbar entdeckt man sie bei der Suche nach urbanem Fortschritt auf ihrem Lieblingsplatz in der Kita, wo sie hinter den Kleinen hervorgrinsen. Erst dachte ich: „Huch, das Kind hat ja einen Bart“, aber schnell war klar, wer da wieder einmal nicht im Amt war.
An einem anderen Tag können Sie sich bei der Arbeit kaum vor Lachen halten, weil ein treuer Parteifreund seinen Siebzigsten feiert. Was habe ich gelacht, als ich sie als Landfrau Zwiebeln schneiden sah. Die Kastaniensicherung am Marktplatz haben Sie mal eben „en passant“ zwischen den Empfängen fotogen mitgenommen, wohl weil der Kollege Dziony, dessen Ressort das eigentlich ist, stundenlang seinen Arbeitsplatz aufräumt. Sein Interesse an Fototerminen und polternden Auftritten hat ja ganz auffallend nachgelassen. Der Landespreis für die Stadtbibliothek bot weiteren willkommenen Anlass zur kurzweiligen Freude und bei der Einweihung der Jupitersäule darf der Bürgermeister natürlich auch nicht fehlen, wenn ´s wieder einmal heißt: Erst die Rede – dann die Häppchen.
Und wer kennt nicht all die Flaschen bei der Kelterei Walter? Natürlich geht man immer fröhlich auf Fahrt mit den Lions, wenn das Amt einem die Zeit dafür lässt. Und ach, was war die rauschende Ballnacht in Phillipsruhe so erbauend für das Lionsgemüt. Lauter prächtige Erfolgsmenschen mit großartigem Spenderherz und intelligentem Einfallsreichtum für außergewöhnliche Leistungen im sozial-humanitären Bereich haben gemeinsam ihre soziale Überlegenheit gefeiert. Unter Gleichgesinnten waren Sie dabei und haben das von der Wahl verwundete Herz bei antiquierter Kunstmusik hochbegabter Fiedler genesen lassen.
Mal im Ernst: warum lassen sie sich nicht mal bei der Arbeit fotografieren? Das wäre zumindest ein Beleg für all die zahlenden Bürger, dass es wenigstens in ihrem Amt mit der Arbeit für Bruchköbel voran geht. So ein Bild mit hochgekrempelten Ärmeln beim Stemmen schwerer Aktenberge wäre fein. Das wollen die Bürger gerne mal sehen. Gerade in so einer elend langen Periode in der sich für uns rein nichts tut, weil die komplizierte Vorbereitung der Postenverteilung mit den Grünen offensichtlich jedes ernsthafte Projekt hemmt. Wenn der Bürger Monate warten muss, ob sich nicht vielleicht bald mal wieder was Konstruktives im Rathaus für ihn tut, wäre es wichtig, wenigstens mal so zu tun, als würde man völlig unabkömmlich und ganz heftig unsere Angelegenheiten regeln. Gerade in so einer Zeit der offensichtlichen Stagnation sind all die aushäusigen, fröhlichen Fototermine ganz bestimmt das falsche Signal an den Bürger. |