spacer
spacer spacer
unabhängig und modern
gemein unabhängig - bösartig modern - 7. Jahrgang - Juli 2010
spacer spacer
spacer
spacer spacer spacer spacer
spacer
spacer spacer
Hauptmenu
Im Moment sind
555 Gäste online

Finsternis in Dawillichleben PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
03.05.2006

Lockende FinsternisEine der aufschlussreichsten Politveranstaltungen beobachten wir seit ein paar Monaten bei der FDP Dawillichleben. Was sich in dieser Partei abspielt, hat etwas von einem Drama „made in Hollywood“. Abseits der gewohnten Kekse mit Tee wohlerzogener Gebissträger unter einem Hauch von Wagenburgmentalität, hat sich in dieser Partei eine Folge von Szenen abgespielt, die man getrost schon als Partei-Hijacking bezeichnen darf.

 

Die FDP, einst Hort feinsinniger Zurückhaltung gepaart mit Lust zum gepflegten Disput über Sinn und Unsinn aromatisierter Haftcreme, ist in die Hände total wahnsinnig gewordener Untoter geraten, die der Dawillichlebener Westerwelle offensichtlich final die Frisur verwuschelt haben. Allem Anschein nach handelt es sich bei den Störenfrieden gelb-blauer Teekränzchen um die stadtbekannten Blutsauger „Jesse James“ und „Hofmarschall Siebenstuhl“.

 

Lange haben die fürchterlichsten Vampire südlich der Issigheimer Höhenzüge scheinbar friedlich geschlafen, bis ihr unstillbarer Hunger nach frischem Blut sie zu neuen Untaten trieb. Es hing eine Art Vibration in der Luft, als Hestermann durch die Pforte des Bruchköbeler Kuriers heraus die Stadt betrat. Die Luft knisterte vor Spannung, als plötzlich Jesse in der CDU den blutjungen Plagiatus Roth auf seiner Speisekarte hatte.  Die Ratten verschwanden in ihren Löchern und Rabenschwärme stoben unruhig krächzend auf. Ein Schatten lag über der Stadt Dawillichleben, seit die beiden ihr Unwesen trieben.

 

Eine Weile hat es in den Eingeweiden der CDU hörbar rumort, bis sie fürchterlichen Durchfall bekam und das Übel Jesse schließlich geräuschvoll ausschied. Monate streifte Hofmarschall Siebenstuhl durch Bruchköbel auf der Suche nach seinem achten Stuhl. Die Gattin betete bereits laut und voll Verzweiflung für einen neuen Sitz unter dem ausladenden Gesäß ihres Hestermannes, begann er doch schon wieder, sie mit quälend langer Verweildauer am heimischen Herd zu foltern. Offenbar füllten ihn seine sieben Ämter bei Weitem nicht aus. Sie musste um ihres lieben Seelenfriedens Willen dringend dafür sorgen, dass dieser Albtraum von einem Gatten auf einem weiteren Stuhl aushäusig zu sitzen kommt.

 

Siebenstuhl materialisierte so als Erster bei der Dawillichlebener FDP. Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl schlüpfte der Sparkassen-Opa in die Rolle des seriösen Politikers und begann fleißig zum Volk mit einem gelb-blauen Wimpel zu winken. Herr Roepenack und seinen Rentnerkollegen musste es so vorkommen, als hätten sie nun einen ganz besonders guten Liberalen an ihre Brust gezogen. Doch der Hofmarschall war nur ein Schläfer, der auf die Ankunft seines Meisters Jesse wartete, um gemeinsam mit ihm die FDP in eine Folterkammer für die Dawillichlebener CDU-Jugend um Roth herum umzubauen. Die beiden wollten der jungen Garde bei der CDU nämlich mal so richtig zeigen, was man als Rentner in der postsexuellen Phase sonst noch so drauf hat.

 

Zwölf Wochen vor der Wahl war es dann so weit: Der Meister der tiefschwarzen Politik, der Messias der dunklen Seite, Jesse James, wechselte mit einem Paukenschlag von der CDU zur FDP hinüber, um der wallenden Westerwelle nun final das letzte liberale Leben auszusaugen. Ja selbst der einst so moderate Roepenack fiel nun im Parlament auf, durch Schwefelgestank und dumpfes Grollen. Er wollte die dicken Bücher der Stadt sehen, worin die magischen Zahle standen, die ihm Macht verleihen sollten. Damals hatte er sich jedoch noch einmal gefangen und bekam Angst vor der eigenen, aus ihm herausgrollenden fürchterlichen Stimme, die ihm die dunkle Seite der Macht gegeben hatte.

 

Seitdem zerfällt das einst so harmlose Teekränzchen der FDP zu Staub auf dem die dunkle Seite der Macht triumphiert. Durch Wahlkampf und Koalitionsverhandlungen hindurch dominierte die FDP über Bruchköbel. Mit Hilfe eines „säuerlich stinkenden Zirkel“ (SSZ), der gefürchteten Wählergruppe Dawillichlebener Rentenextremisten die in geheimen Höhlen unter der Stadt das finstere, ewige Gestern anbetet, gelang der unglaubliche Coup: Das Dunkle übernahm die Macht in der FDP und stahl der Dawillichlebener CDU zwei Stühle aus dem Parlament. Aus eigener Kraft hätte das die FDP nie geschafft! Doch damit nicht genug, das unaussprechliche Grauen griff nun auch noch mit dürren Fingern nach dem Stuhl des fürchterlichen Stadtschrates. Es stank zum Himmel.

 

Plagiatus Roth, den Gläubigen Maybach und selbst die heuchelnden Gesellen der evangelikalen Reaktion sah man hiernach nur noch mit gequälter Miene um das Rathaus schleichen. In dieser Zeit herrschte absolute Dunkelheit in Dawillichleben und die finstere Macht breitete sich mit klammem Nebel über die ganze Gemarkung aus. Die Sonne verbarg sich hinter dem kaltem Grauen, den Menschen wurde bang um’ s Herz, bis plötzlich ein Glöcklein silbrig, leise durch die Gassen klang: „Pling, pling, klingeling, die Grünen, die Grünen. Sie wollen für Euch sühnen!“

 

Die Menschen trauten ihren Ohren kaum. Ihr einst blühendes Dawillichleben schien schon so fest in der Klammer des schwarzen Grauens zu sein und viele wälzten sich bereits im Jammer der Agonie durch den Schlamm der Straßen. Ausgerechnet die Grünen sollen nun ihre Retter sein? Die Verweigerlinge des Atoms, die Esser des Müsli und Beweger der Wadenkraft? Doch es schien wahr zu sein. Auf ihrer FDP-Internetseite schäumt die dunkle Seite der Macht nun plötzlich über Lüge und Betrug. Sie sehen sich um die Früchte ihrer finsteren Intrige gebracht und bieten alle Kunst der Täuschung ihrer dreifach gespalteten Zunge auf, um das Licht der Hoffnung doch noch von Dawillichleben zu lenken.

 

Aber die Bürger kleben bereits im Nektar der Freude und so hört man schon an jedem Stammtisch vorwärts schauend lallen: „Schaun’ wir mal!“ Ja selbst der Plagiatus Roth kann wieder aufatmen und so wird man ihn schon bald wieder von den Blättern der Herolde in alter Breite grinsen sehen wenn es wieder heißt: „Die Grünen haben die Welt gerettet, aber wir sind das - was Ihr braucht!“

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
spacer