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Geschrieben von Martin Reisbeck   
31.03.2006

Urne der Demokratie.Die Kommunalwahl ist vorbei und beinahe jeder Leser meines Magazins giert nach einem Kommentar von mir. Was ist los Leute, könnt ihr nicht mehr selbst in eurem Kaffeesatz lesen? Bin ich ein Guru? Was soll jetzt schon groß zu kommentieren sein? Ihr seht doch selbst, dass politische Mehrheiten überhaupt nur noch durch maximal 20% aller Wahlberechtigten legitimiert sind. Die Gewählten tun natürlich alles, um bei diesen 20% nicht dumm aufzufallen. Das ist der Kern des politischen Geschäfts, hinter dem die Belange des Bürgers seit Anbeginn der Republik weit hinten anstehen.

 

Es sei denn, bei dem „Bürger“ handelt es sich um einen Vorstand. Oder, auf Dawillichleben herunter gebrochen, um einen Gewerbetreibenden. Diese Art Bürger haben beim Politiker natürlich schon etwas mehr Gewicht. Ansonsten dreht sich das Geschäft des Politikers ausschließlich um den eigenen Bauchnabel. Das ist typisch menschliches Verhalten und wird im Kapitalismus weder als verwerflich noch als unverständlich angesehen. Der Mensch ist einfach gestrickt und so erst recht der Politiker. Und wer versucht in einem Politiker etwas anderes zu sehen, ist der Propaganda voll auf den Leim gegangen.

 

Die Erfinder der Demokratie hielten wohl an einem Traum von einem nicht existierenden Menschenbild fest. Diesen sozialen Wahnsinnstyp, der darauf scharf ist seine Freizeit einzig dem Allgemeinwohl zu opfern, gibt es nicht. Schon gar nicht im Hochkapitalismus, wo Werte nur noch aus barer Münze oder vielleicht noch einem gärenden unrealistischen christlichen Gedankenfusel bestehen. Was soll man also, angesichts dieser groben Anlage des Systems, zum Ausgang einer lächerlich unbedeutenden Kommunalwahl noch sagen?

 

Über 50 Jahre Erfahrung mit unserer „Parlamentarischen Demokratie“ lassen keinen anderen Schluss zu: Es kommt einfach nicht mehr Geld beim Bürger an, weil die gewählten Politiker sich durch eine Wahl keinen Deut ändern. Welches Parteietikett auch auf einer Regierung klebt ändert nichts an dem, was beim Bürger ankommt. Und in Bruchköbel hat sich sogar gezeigt, dass nur der Vorteile erwirbt, der am meisten Geld in die Werbung steckt.

 

Herr “guenter-maibach.de“ sagt daher noch einmal kostenreich in einer Anzeige „Danke“. Er hat sich beim Wähler einen besseren Listenplatz erworben, als ihm die CDU zugewiesen hat. Die ziemlich rechts außen stehende evangelikale Reaktion des Gerechten Rechholz mischt mit teuren Anzeigen und Bittbriefen an jeden Haushalt die CDU auf und wird, wenn es so weitergeht, die Dawillichlebener CDU bald in „Partei der bibeltreuen Christen“ umtaufen. Und die FDP gewinnt durch den Zuspruch unzufriedener CDU-Mitglieder zwei Sitze, die ihr eigentlich nicht gehören. Oder vielleicht doch? Sind Jesse und Marschall Siebenstuhl nicht die Fleisch geworden Symptome einer klammheimlichen Übernahme der FDP durch die CDU?

 

Mal ehrlich: Zwischen diesen Parteien gibt es doch keinerlei Unterscheidungsmerkmale mehr! Und das brave Zieren der FDP vor dem Zusammengehen mit der CDU ist nichts anderes, als Show für den Wähler. Sie werden sehr schnell ihren „Auftrag zum Mitregieren“ entdecken. Also haben wir weiterhin den Block einer konservativen Mehrheit im Parlament sitzen, die uns über die lokalen Medien für Blöd verkauft. Das Ganze wird statt solider Mehrheit dann nur Koalition genannt und ist im Effekt dasselbe, wie die fünf Jahre zuvor. Solange nicht alle Wahlberechtigten zur Wahl gehen, wird sich nichts ändern. Weder in Dawillichleben, noch sonst irgendwo auf der Welt. Die Abwesenheit der Bürger bei der Wahl macht es dem Politiker weiterhin sehr leicht nichts zu tun, als einzig grobe Fehler zu vermeiden. Die Stammwählerschaft ist für ihn eine leicht zu berechnende Menge.
© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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