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Es musste so kommen. Keiner steckt jahrelang Schläge ein, ohne irgendwann auch auszuteilen. Es sieht so aus, als wäre diesbezüglich in der Redaktion des „Bruchköbeler Kurier“ (BK) die Schmerzgrenze erreicht. Jeder, der in diesem Haus Manns genug ist eigene Worte in die Textspalten des BK zu stemmen, fühlt sich aufgerufen, unser Magazin zu kommentieren. Wir haben sie genug durch den Kakao gezogen. Eben reicht es!
Zweifellos ehrt uns jedwede Form von Aufmerksamkeit. In diesem Sinne bedanken wir uns beim BK ganz brav für die freiwillige, kostenlose PR. Es bereitet uns auch große Freude, wenn Menschen versuchen unseren unverwechselbaren Stil nachzuahmen. Das gerade das nicht so einfach ist, hat uns Eberhard Hestermann mit seinem „Brief an ein Phantom“ deutlich vor Augen geführt. Doch jetzt schickt der BK seinen intellektuellen Überbau ins Feld, das journalistische Schwergewicht der städtischen Klopapierstütze, Jürgen Dick. Er widmet unserem Magazin einen kompletten Vierspalter.
Wir vom „Bruchköbler“ sind tief beeindruckt, wie wichtig unser Magazin in Dawillichleben mittlerweile geworden ist. In seinem Artikel stilisiert uns Dick zum misanthropischen Ärgernis im „Cyberspace“, das in einer Art öffentlichem Tagebuch (Zitat: aufgehübschter Weblog!) eine imaginär erlittene Schmach verarbeitet. Er stellt uns seinen Lesern, ganz gerissen, als Kleinstadt- Psychotiker vor, die in einer mentalen Endlosschleife stecken und empfiehlt sich selbst damit als deren verständnisvollen, wie kompetenten Doktor Freud. Dick hat uns auf die Couch geworfen und analysiert einen Schmerz tief in unserer Seele. Nicht ohne uns, wenn auch abwertend kaschiert (Zitat: blindes Huhn), nebenbei kollegialen Respekt zu zollen für die Enthüllung unglaublicher Plagiate seitens der Stadtverwaltung.
Eines wird selbst den Stammlesern des BK klar, falls sie durchblicken, um was es in den besagten Artikeln geht: Jürgen Dick ist ein anderes Kaliber als Hestermann. Auf ihn können wir nicht einfach mal, „en passant“, mit der Fliegenklatsche draufhauen. So, wie es bei Herrn Hestermann noch durchaus angemessen war. Allein wenn der prall gedankenschwangere Wortakrobat Atem holt, entsteht in seinem Dunstkreis ein mächtig saugendes Vakuum. Wenn er das komprimierte Gasgemenge dann als Postulat wieder abbläst, wabert es so dicht an mannigfaltig interpretierbarer Bedeutung in den Köpfen der staunenden Leser, dass sie sich unrettbar im Dickicht Dick’scher Begrifflichkeit verlieren. Es wäre lächerlich, mit einer Fliegenklatsche auf diesen Elefanten loszugehen.
Er ist Dawillichlebens unwidersprochener Gigant des deutschen Wortes. Doch wer wirklich verstehen will, was er gerade meint, ist zum Quellenstudium verdammt, zur Interpretation und was noch viel schlimmer ist, man landet automatisch bei der Definition. Wer mit Dick kommunizieren will, sieht sich zunächst aufgehängt in den Zweigen seiner mentalen Bäume und verweilt bei Klärung von Wortwurzeln. Besser man bleibt bequem auf dem Weg einer Ahnung, den Dick durch seinen Wald der Begriffe vorgezeichnet hat. Dass 97 Prozent der Leser des BK weder die technischen, noch die geistigen Voraussetzungen für Ersteres erfüllen, weiß der Worttaktiker sehr genau. Mit diesem Sachverhalt versteht er meisterhaft zu spielen.
Es ist ein ganz ungewöhnlicher Vorgang neben all den, die Intelligenz beleidigenden Verlautbarungen, die dem Bürger in Dawillichleben sonst so zugemutet werden: Dick denkt tatsächlich nach, bevor er schreibt. Dick recherchiert gewissenhaft, bringt stets politisch korrekt die städtische „Top-Story“ und bei kaum einer Stadtverordnetensitzung fehlt er. Er hat eine gefällige Schreibe und ist in der Regel fachlich unnahbar, niemals angreifbar. Der Mann ist bei allen politischen Zwergen der Stadt gern gesehen.
Gerade deshalb ist Dick aber auch ein Wicht. Ein politisches Leichtgewicht. Er stellt mit der Arbeit beim BK sein Licht unter den Scheffel und hat Angst vor seinem eigenen Schatten. Er darf niemandem auf die Zehen treten, sonst könnte es ja passieren, dass er nicht mehr „everybody’s darling“ ist. Dick will durch unerwünschte Äußerungen, gleich welcher Art, seine journalistische Arbeit nicht unnötig erschweren. Das klassische Dilemma der gesamten Medien. Ein ganz spezifisches Dilemma des Freizeitjournalisten. Und das ist der Grund für ihn, unsere Arbeit so unendlich zu beneiden. Wir dürfen die Sau durch das Dorf treiben und nicht er, der Platzhirsch. Er gönnt uns die Freiheiten nicht, die wir uns herausnehmen. Er ärgert sich grün und gelb, weil wir in die Pfanne hauen können, wen wir wollen – wie wir wollen. Er dagegen lebt in der ständigen Selbstbeschränkung. Dick darf nicht über seinen Schatten springen.
Ja zum Teufel, er kennt all die Dämonen der Macht, die sich professionell verlogen und verbogen niemals im Konkreten zeigen werden. Er weiß um die Minderwertigkeitskomplexe kleiner Männer mit quäkender Stimme, die sich hinter wildem Bartwuchs versteckt, der zwanghaften Sucht nach Sieg und Demütigung des Gegners hingeben, um damit die Schmach ihrer körperlichen Unzulänglichkeit zu kompensieren. Er sieht die ungeschickten dicken Emporkömmlinge, die rechthaberisch, ohne jedes Geschick oder gar Feingefühl durch den Porzellanladen des öffentlichen Lebens stampfen. Er kennt all die gesichtslosen Nasenbohrer, die hinter den Zampanos auf Fehler lauern, um dann sogleich an ihrem Stuhl zu sägen. Dick sieht den Wahnsinn, darf aber darüber nicht schreiben. Weil er in seinem Medium BK ein Gefangener dieser aufgeblasenen Leichtgewichte ist und ein Gefangener seines eigenen Systems. Dick ist ein klarer Fall von chronischem Frust. Tief und bohrend.
Und deshalb braucht er Ventile. Er arbeitet sich natürlich lieber an Positionen ab, von denen er in der Folge am wenigsten Nachteile zu befürchten hat. Da kann er endlich auch mal ganz kultiviert frech werden. Mit der hohen Kunst seiner geölten Zunge berichtet er, scheinbar sachlich wie immer, über unser Magazin, während er sich in Wirklichkeit in einer geschickt getarnten, unsachlichen Demontage des „Bruchköbler“ und seines Chefredakteurs abreagiert. Um sich endlich etwas besser zu fühlen. Dick macht es weit ausgebuffter als Hestermann. Er verliert dadurch eine gute Portion Frust und ist sich des Beifalls aus dem Lager des politischen Pöbels gewiss, der seinerseits nicht den Hauch einer Chance hat, dem „Phantom von Dawillichleben“ die Stirn zu bieten. Dafür brauchen die ihren willfährigen „Dick von Dawillichleben“. Deshalb braucht Dick gerade uns. Wir sind ihm dabei gern behilflich. Es gibt ja sonst keinen in Dawillichleben, der sowas aushält ohne zu pienzen. |