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Der Dampfplauderer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
11.01.2006

Wanted: Das Original!Das Internet ist eine scheinbar unerschöpfliche Ressource für Texte und Bilder. Diesen Umstand hat auch der Bürgermeister von Dawillichleben erkannt und bedient sich, zusammen mit seinem Stab, ganz ungeniert aus der reichhaltigen Quelle. Auch das Grußwort des Bürgermeisters zum Jahreswechsel strotzt vor Plagiaten. Lesen Sie hier von der wahren Herkunft der Roth'schen Weisheiten.

 

 

Da musste der „Bruchköbler“ Ende des vergangenen Jahres schon einmal feststellen, dass ein so umfangreicher, wie auch unpassender Text auf der Internetseite der Stadt Bruchköbel, den wir dort im Kapitel „Rathaus“ zu lesen bekommen, Wort für Wort von einem Handwerkzulieferer aus Norddeutschland stammt. Nun sollte man doch meinen, wenn so ein Umstand in den Medien („der Bruchköbler“) aufgedeckt wird, schämen sich die Verantwortlichen und lassen sich schleunigst einen eigenen Text einfallen und werden jetzt nur noch Inhalte nach ihren eigenen intellektuellen Fähigkeiten erstellen. Aber das besagte Plagiat prangt weiterhin unverdrossen im Namen der Bruchköbeler Bürger auf ihrer ersten Internetseite.

 

Doch damit ist es dem Bürgermeister noch lange nicht peinlich genug. Jeder, der es partout nicht vermeiden kann, bekommt dieser Tage Märchenmichels Gruß zum Jahreswechsel zu lesen. Und wer nun glaubt, er werde hier wirklich vom Dawillichlebener Hans Michael Roth gegrüßt, ist auf dem Holzweg. Auch dieses Werk entsprang mitnichten seiner Feder. Große Teile des Grußwortes stammen originär aus der Wortschmiede des Augsburger Oberbürgermeisters Dr. Paul Wengert (SPD).

 

Es handelt sich nämlich ursprünglich um Paul Wengert's Rede zum Neujahrsempfang 2005 der SPD-Fraktion am 9. Januar 2005 im Rathaus von Augsburg. Wir zitieren hier die von Roth benutzten Auszüge:

 

"Ich denke viel an die Zukunft", bekannte einmal der Filmkomiker Woody Allen, "weil das der Ort ist, wo ich den Rest meines Lebens verbringen werde."

 

Aber man kann die Verhältnisse – und das gilt für die ganze Republik -auch schlechter reden, als sie tatsächlich sind.

 

…wonach es uns nicht egal sein kann, wie wir den Rest unseres Lebens oder wie unsere Kinder ihr weiteres Leben verbringen werden

 

…zukunftsfähig zu machen und die erreichte Lebensqualität zu bewahren, ja möglichst zu steigern - das war und ist unser gemeinsames Ziel…

 

…die Dinge neu in die Hand zu nehmen und eröffnet neue Perspektiven...

 

Gelegentlich wurde in den letzten Wochen des alten Jahres behauptet, es herrsche Stillstand in…

 

Na, und dann hat sich der „Meister des Schattenspruches“ noch an ein paar lauwarme Phrasen aus dem evangelischen Gruppen-Heucheln erinnert: Gemeinschaft, Zusammenhalt, Solidarität und Mitmenschlichkeit.

 

Mit dieser Melange Worte aus zweiter Hand werden Sie liebe Bürger nicht nur zum neuen Jahr gegrüßt. Wenn sich die totale Abwesenheit von Originärem im Wesen des Bürgermeisters auf sein Privatleben beschränken würde, wäre das allenfalls ein Grund zur Klage für seine Frau. Doch leider begleiten die allseits bekannten Ausdünstungen von Plagiaten und hohlen Formeln der hohen evangelischen Interpretationskunst unsere Gemeinde schon viel zu lange. Roth beleidigt unser Intellekt damit seit Jahren in allen Belangen des öffentlichen Lebens. Er redet von Zukunft, ohne ihr ein Gesicht zu geben. Er redet von Gemeinsinn und meint sein persönliches Wohl. Er redet von Opfern und meint uns. Er beschwört den Aufschwung und schielt in seine Börse.

 

Die Kommunalwahl im März gibt Ihnen, lieber Mitbürger, eine der seltenen Gelegenheiten dem alten Schwadroneur einen schmerzhaften Denkzettel zu verpassen. Legen sie dann den Grundstein, um bei der nächsten Bürgermeisterwahl wieder ein Bruchköbeler Original zu erhalten. Um uns bis dahin geistig einigermaßen gesund über Wasser zu halten, verpassen wir dem Bürgermeister von Dawillichleben einen weiteren Buchstaben im großspurig dreiteiligen Namen: P. H. Michael Roth. Das ‚P` steht für Plagiatus und dem Dawillichlebener Dampfplauderer ausgezeichnet zu Gesichte.

 

Die Internetseite der Originalrede finden Sie unter http://www2.augsburg.de/fileadmin/www/dat/10ak/reden/2005/050109.pdf

Das Plagiat finden sie im Stadtjournal vom 07. Januar 2006 und voraussichtlich in den ab heute erscheinenden Verdummungs-Periodika, die wir auch gerne die „städtische Klopapierstütze“ nennen.

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

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