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Da will ich arbeiten! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Reisbeck   
05.10.2005

Da will ich arbeitenWunsch und Wirklichkeit sind für uns Menschen oft schwer auseinander zu halten. Es liegt in der menschlichen Natur, die Grenze zwischen Traum und hartem Alltag fließend erleben zu können. Das gilt ganz besonders, wenn die Realität unter der Feder von Marketingstrategen verschwimmt die, trotz fehlender Hoden, einen Ochsen als Kampfstier anbieten sollen. Wegen dieser Tatsachen macht Marketing Sinn. Damit kann man minderwertigen Produkten eine Marktchance verschaffen. Was geschieht aber, wenn das Marketing selbst ein minderwertiges Produkt ist?

Werbung lebt vom Verwischen der Grenzen und ist streng genommen sogar eine subtile Form von Desinformation. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen verdeutlicht ein Interesse unterschiedlichster Branchen an Bruchköbel als Investitionsstandort.“ So tönt es ganz selbstverständlich aus der Propagandastube des Bruchköbel-Dawillichlebener Rathauses. Frau Weber hat ihr Handwerk gelernt. Respekt! Sie weiß, der Leser ist gerne bequem und das Hinterfragen von eingängigen Behauptungen ist nicht sein Ding. Es soll flutschen. Lesen Sie den Satz noch einmal ganz bewusst, lieber Bürger, der da in Ihrem Namen Neubürger und Investoren locken soll. Da steht, dass man aus der bloßen Anzahl von Gewebeanmeldungen ablesen kann, welche Branchen sich für unseren Standort interessieren. Jede Gewerbeanmeldung ist eine Investition, steht da. Wir wissen, das es so nicht stimmt. Ein krasses Beispiel ist die "Ich-AG". Und jede Anmeldung erfolgt aus einem Interesse am Standort Bruchköbel, wird behauptet. Wenn ein Einwohner eine Gewerbeanmeldung tätigt, hat das kaum etwas mit Interesse am Standort zu tun. Jeder weiss, was ein Umzug kostet. Ich nehme den Text nur wörtlich. Sehen sie es auch? Hier wird die Wirklichkeit über das Knie gebrochen, damit sie in einen Traum passt. Wir könnten uns schämen!

 

Schämen wir uns aber besonders für die unreife Sprache, in der unsere Gemeinde in die Welt poltert: „Entsprechend der heutigen Zeit arbeiten immer mehr Menschen auch von Zuhause.“

Na kommen Sie, erzählen Sie uns jetzt nicht, dass Sie zu faul waren das Wörtchen „aus“ nach dem „Zuhause“ anzuhängen! Abgesehen davon schreibt man entweder nach der alten Rechtschreibung „zu Hause“ oder nach der neuen „zuhause“, also klein. Es erscheint fast ungerecht: ich darf hier Fehler in meinen Publikationen einbauen so, wie ich halt in Deutsch gestrickt bin. Eben, weil ich privat schreibe und nicht etwa im Namen einer ganzen Gemeinde. Die Publikation einer Gemeinde aber muss inhaltlich, grammatisch und orthographisch lupenrein sein. Sonst könnten vielleicht ein paar Schlaumeier auf den fatalen Gedanken kommen, es hier in Dawillichleben mit einfach gestrickten Dummbeuteln zu tun zu haben, die man bequem über den Tisch ziehen kann. So einen Eindruck wollten wir Bürger aber auf keinen Fall erwecken, oder? So erscheint es auch kaum logisch, dass die Menschen „entsprechend der heutigen Zeit“ von zuhause aus arbeiten. Es liegt nicht an der Zeit, wie und wo die Menschen arbeiten. Das Arbeiten wird von der Technologie bestimmt. Da müsste also schon noch etwas „Butter bei die Fische“, liebes Stadtmarketing. So dünn präsentiert man der Welt keine „lebendige Gemeinde im Herzen Europas“. Es klingt spröde. Ein wenig, als wollten Sie einem Zombie Leben einhauchen.

 

Was aber Anlass zu Hoffnung gibt ist die Tatsache, dass Sie neben „…Investoren aus den Bereichen Dienstleistung und neue Technologien“ auch ausdrücklich die aus dem Bereich „Bildung“ locken wollen. Bildung ist immer gut. Und sie wäre sicher ein großer Segen für unser Stadtmarketing sowie für die, die seine Emissionen eigentlich kontrollieren sollten.

 

© Alle Rechte liegen bei den genannten Autoren.

so much
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