Haben Sie es schon gemerkt? Je freizügiger in den Medien das Thema Sex behandelt wurde, desto schwieriger wurde es für Sie, guten Sex ohne Nebenwirkungen zu bekommen. Aids, und die drohende Verarmung nach Kindergeburt sind schon in den achtziger Jahren die Killer der freien Liebe gewesen.
Die Halbierung der Mark durch die Euro-Einführung setzte den Lustmord unverdrossen fort, und die tausendfach ungestillten Lüste korrupter deutscher Vorstände erledigen den Rest. Die Bedrohung durch Hartz-IV-Verschärfungen, weil man für arbeitslose Eltern, Kinder und Haushaltsmitglieder mit dem eigenen Einkommen haften soll, trägt munter dazu bei. So wurde guter Sex im Laufe der Jahre für die fertilen Bürger zur Existenzbedrohung und damit ist es auch kein Wunder, wenn die Geburtenraten sinken.
Diesen Missstand hat nun auch der Trend-Scout unseres Bruchköbel-Dawillichlebener Bürgermeisters als Thema für den Wahlkampf erkannt. Ganz gewitzt hat der Bürgermeister unsere Stadt deshalb für das Modellprojekt des Hessischen Sozialministeriums „Familienstadt mit Zukunft“ beworben. Da stört es ihn keineswegs, dass gerade aus diesem Sozialministerium von Frau Lautenschläger die familienfeindlichsten Vorschläge zu Hartz-IV gekommen sind, die jetzt nicht nur den reinen Sex, sondern schon die bloße Zugehörigkeit zu einer Familie als gefährlich für das Wohlbefinden eines Individuums werden lassen können.
Ein Effekt des Programms „Familienstadt mit Zukunft“ liegt darin, dass man in Bruchköbel-Dawillichleben nun ein Team gebildet hat das überlegt, wie man die Lebensbedingungen in Bruchköbel-Dawillichleben für Familien entscheidend verbessern kann. Aber damit gibt sich der Bürgermeister nicht zufrieden. Wie kann man dafür sorgen, dass noch mehr junge Familien nach Brk.-Dawillichleben zuziehen? Und ganz visionär lässt er das Team unter seiner Leitung darüber nachdenken, wie der Trend des Geburtenrückganges in unserer Stadt umgekehrt werden kann. Wir müssen uns eigentlich wundern, dass unser Bürgermeister dafür eine Komission braucht.
Im Team denken nun Leiter von Kindertagesstätten, Lehrer, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Städteplaner, Wirtschaftsvertreter, Vertreter von Vereinen und ein Pfarrer darüber nach, wie mehr Kinder gezeugt werden können. Herrschaften, sind wir da nicht komplett falsch besetzt?! Nein, nicht wegen des Pfarrers. Die verstehen oft mehr von gutem Sex, als sie zugeben dürfen! Wir meinen die anderen! Das ist doch eine Team-Zusammensetzung, die bestens dafür geeignet ist über noch mehr Verhütung nachzudenken, aber nicht darüber, wie man Situationen in einer Stadt schafft, in der bedenkenlos Kinder gezeugt werden können. Schließlich müssen die Beteiligten am Sexualakt für lange Zeit erfolgreich vergessen, welche Konsequenzen ihr Handeln in der Realität hat.
Wäre es also nicht viel besser, wenn man Kamasutra-Trainer, Feng Shui-Berater, Betreiber von Eros-Centern, Drogenhändler und vielleicht noch ein paar mehr Politiker zum Brainstorming versammelt? Nur ein Gremium in dieser Zusammensetzung kann dem Bürgermeister bei diesem heiklen Thema wirklich zum Erfolg verhelfen. Denn nur eine, die ganze Stadt beherrschende erotische Stimmung, allzeit benutzbare Kopulationseinrichtungen und die totale Loslösung von der Realität über mehrere Monate kann dazu führen, dass ausgerechnet in Bruchköbel-Dawillichleben mehr Kinder gezeugt werden, als in anderen Betten der Nation. Kinderfreundliche Bedingungen laufen den Interessen der deutschen Industrie allerdings direkt konträr, sonst hätten wir sie schon längst.
Im Prinzip gibt es für die kinderreiche Zukunft des Bürgermeisters also nur eine Lösung: Allzeit hemmungsloser Sex und realitätsverfremdende Drogen für jeden zeugungsfähigen Mann auf Krankenschein. Mit einbürgerungswilligen, aphrodiasierten Osteuropäerinnen, quasi als das Arzneimittel, sollte das kein Problem sein. Die Komisssion wird es schon noch herausfinden. Unser Bürgermeister lebe einstweilen schon mal hoch!