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Haben Sie, lieber Bürger, schon einmal die Unfallstationen besucht, nachdem Matsch und Schnee auf Wald- und Wiesenwegen den staksenden Steckenschwingern gewichen sind? Haben Sie jemals die vielen angespitzten Carbonfaser- und Alurohre in blutende Augen gespießt gesehen? Kennen Sie die komplizierten Ober- wie Unterbauchverletzungen, die es seit dem Bestehen des nordischen Steckenlauf – Verfahrens zu behandeln gilt? Die Nordic-Walking Saison tobt ihrem Höhepunkt entgegen!
Und wer hat sich nicht selbst schon einmal gewundert, wenn ein gerade noch lahmer Spaziergänger (mit einem Stecken im Hintern) selbst an den schnellsten Läufern des örtlichen Lauftreffs zwar schreiend, aber problemlos vorbei gestochen ist? Unser Held von einem Bruchköbel-Dawillichlebener Bürgermeister, hat den Skandal als einziger erkannt und spontanpolitisch gehandelt: Er hat eine Nordic-Walking-Strecke eröffnet. Genau das verlangen wir von einer engagierten Spitze. Mehr braucht es nicht: Sie muss Probleme erkennen und ohne Umschweife handeln! Dann geht’s dem Bürger wirklich gut. Auf dem Stadtprogrammweg zur „Familienstadt mit Zukunft“ wird es in Bruchköbel-Dawillichleben fortan verdammt schwer sein, die inhaltlichen Vorlagen der CDU zu toppen. Die müssen neben dem städtischen Propagandabüro mit der Frau an der Kampfpresse noch, ganz modern im Sinne des Stadtmarketings, einen geheimen Themenscout beschäftigen. Ich schwör´s! Ich ahnte bereits einen Schatten von ihm. Dessen Arbeit für den Bürgemeister und seine CDU ist mittlerweile so populär und nah am Puls der Zeit, dass ein politischer Gegner sich gar nicht mehr warm anzuziehen braucht. Er kann getrost zu Hause bleiben, weil neben dem politischen Kampfstern des Bürgermeisters (volksmd. Volkskreuzer Wodavon) ihn sowieso kein Bürger mehr wahr nimmt. Opposition macht in Bruchköbel-Dawillichleben keinen Sinn. Ein sportiver Bürgermeister steckt sie alle in die Gesäßtasche eines speziellen Nordic-Walking-Outfits. Das kann keinen Spaß machen! Nebenbei bemerkt, Leute: der Bürgermeister hat ja kolossal abgenommen! Und auf seiner beeindruckenden Magertour unter Einsatz von Adrenalin und körpereigenen Dopaminen vom moppeligen Politzwerg zum dünnen, pfiffigen König der gestylten Steckenschwinger mutiert, sind ihm wohl die genialen Ideen gekommen, die er jetzt mit magischer Zwergentinte auf die erste Seite in die Schlagzeilen des „Bruchköbel-Dawillichlebener Kurier“ spritzen ließ. Der Bürgermeister hat bewährt, mit steifen Stecken in beiden Händen unter sachkundiger Anleitung des Steckenschwingerlehrers Helmut Kreiß (von Freunden auch liebevoll „die Säge“ genannt), anläßlich der Einweihung der ersten Steckenschwingerrundlaufbahn vorbildlich Laufen gelernt. Er hat vor einem hoch angespannten Publikum die Nerven bewahrt und tatsächlich einen Fuß vor den anderen gesetzt, ganz ohne umzufallen. Mit diesem beeindruckenden Beweis koordinatorischer Hochkompetenz wird die erste „Nordic-Walk-Strecke“ im Main-Kinzig-Kreis feierlich eröffnet. Die sich sonstwie fortbewegende Bevölkerung atmet erleichtert auf und die Ärzte im Stadtkrankenhaus Hanau erst recht. Die vielen Bruchköbel-Dawillichlebener Freizeitunfälle auf Grund von Fremdeinwirkung sind endlich passé, denn der Steckenläufer aus dem Main-Kinzig-Kreis hat nun seine eigens ausgewiesene Strecke (volksmd. Mörderwalk). So kurbelt das Steckenstreckenprogramm nicht nur die Konjunktur der Südwetterau an. Neben vielen Erfrischungstränken an der Laufstrecke müssen natürlich Parkplätze für Lauftouristen aus dem weitesten Umkreis von Bruchköbel-Dawillichleben angelegt werden. Die hiesige Orthopädenzunft, Sportgeschäfte und das Übernachtungsgewerbe werden eine ungeahnte Schubdüse erfahren. Überregional wirksam wird das Roth'sche Konjunkturprogramm besonders bei den Schilderfabrikanten greifen. Die freuen sich jetzt nämlich nicht etwa über das Kleinserien-Schild „Steckenlaufrundkurs“, sondern viel mehr über die bald in vielen Gemeinden Schule machende Großserie: „Laufen mit Stecken verboten“. Als einer der letzten lukrativen Aufträge des teuren ersten Stadtrates Karlheinz Dziony (volksmd. RockerCharly) liegt diesbezüglich eine Bestellung bereits zur Unterschrift vor. Falls das atemlose Tempo an Innovation bei der örtlichen CDU beibehalten wird, ist es kaum noch eine Frage der Zeit, bis der erste ausgewiesene Kinderwagenschiebweg des Sonnensystems aus Bruchköbel-Dawillichleben die Spalten der Weltpresse erobern wird. Nicht auszudenken die Freude, wenn hier die ersten Greise des Weltalls ihre Gehhilfen über weiche und komfortabel befahrbare Bruchköbel-Dawillichlebener Geriatrie-Wackel schieben dürfen. Hausarzt, Apotheke, Nagelpflege, Sanitätshaus, Friseur und Wassertreten. Seit dem ersten Nordic-Walking-Rundkurs des MKK sind der Phantasie des Politikers keine Grenzen mehr gesetzt. Die CDU hat die erste Runde der lokomotorischen Diversifikation eingeläutet. Es macht gerade großen Spaß, in dieser Stadt zu leben! |